Ein Amerikaner im Abseits
Seine Kreditkarten waren schon so gut wie ausgereizt, als Ayad Akhtar vor ein paar Jahren auf der Rückfahrt nach New York die Zylinderkopfdichtung durchbrannte. Und ihn zu einem Stopp in einem Provinzkaff namens Scranton zwang, wo er den subtilen Rassismus weißer Amerikaner zu spüren bekam, die ihn in Gestalt eines örtlichen Polizisten und dessen befreundetem Werkstattbesitzer übel abgekocht haben. Die Details kann man sich sparen, aber es kostete ihn 2500 Dollar, die er nicht besaß, um nach zwei Tagen endlich wegfahren zu können.
Danach war für den Schriftsteller Akhtar alles anders, denn auf der Weiterfahrt hörte er in sich «das leise Murmeln einer kargen, klaren Wahrheit»: «Ich würde aufhören, so zu tun, als fühlte ich mich als Amerikaner.» Sprich: Er würde nicht länger so tun, «als hätte er kein Problem mit seinem Platz in Amerika».
«Homeland Elegien» ist ein schwer durchschaubares Stück Autofiktion: die letzten über 20 Jahre im Leben des Autors, und doch ein Roman. So nah an der authentischen Biografie, dass sich der Autor selbst in Interviews mit dem Erzähler verwechselt, und doch immer mit einem Rest fiktionaler Unschärfe. Fest steht allerdings: Ayad Akhtar ist Amerikaner ...
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Theater heute Dezember 2020
Rubrik: Bücher, Seite 45
von Franz Wille
Falk Schreiber Mitte März habe ich mich sehr auf die Premiere von Studio Brauns «Coolhaze» am Hamburger Schauspielhaus gefreut. Aber am 13. März kam die Meldung, dass die Premiere ausfallen, das Schauspielhaus die restliche Spielzeit wegen Corona für beendet erklären würde. Charly Hübner, Sie hätten in «Coolhaze» gespielt. Wie haben Sie das wahrgenommen?
Charly...
«und wenn die politik / durchs gesetz behindert wird / wenn fortschritt wenn / dem hausverstand durchs gesetz / die hände gebunden»?, sinniert Kreon einmal. «Hausverstand» ist laut Duden die österreichische Version des «gesunden Menschenverstands». Ob Haus- oder gesund, in jedem Fall ist dieser spezielle, meist eher eingeschränkte «Verstand» das zentrale Argument...
«Dies ist eine Bühne» – so sorgfältig wird man zu Beginn schon informiert. Dann lernt man: «Dies ist Rosa Enskat. Sie ist eine Schauspielerin.» Brechts Lehrtheater wird fein ironisiert. Während der Vorstellungsrunde fahren die Figuren auf der Drehbühne an uns vorbei wie Figuren in einem Glockenspiel oder einem Wachsfigurenkabinett, jede mit einer charakteristischen...
