Ein Amerikaner im Abseits
Seine Kreditkarten waren schon so gut wie ausgereizt, als Ayad Akhtar vor ein paar Jahren auf der Rückfahrt nach New York die Zylinderkopfdichtung durchbrannte. Und ihn zu einem Stopp in einem Provinzkaff namens Scranton zwang, wo er den subtilen Rassismus weißer Amerikaner zu spüren bekam, die ihn in Gestalt eines örtlichen Polizisten und dessen befreundetem Werkstattbesitzer übel abgekocht haben. Die Details kann man sich sparen, aber es kostete ihn 2500 Dollar, die er nicht besaß, um nach zwei Tagen endlich wegfahren zu können.
Danach war für den Schriftsteller Akhtar alles anders, denn auf der Weiterfahrt hörte er in sich «das leise Murmeln einer kargen, klaren Wahrheit»: «Ich würde aufhören, so zu tun, als fühlte ich mich als Amerikaner.» Sprich: Er würde nicht länger so tun, «als hätte er kein Problem mit seinem Platz in Amerika».
«Homeland Elegien» ist ein schwer durchschaubares Stück Autofiktion: die letzten über 20 Jahre im Leben des Autors, und doch ein Roman. So nah an der authentischen Biografie, dass sich der Autor selbst in Interviews mit dem Erzähler verwechselt, und doch immer mit einem Rest fiktionaler Unschärfe. Fest steht allerdings: Ayad Akhtar ist Amerikaner ...
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Theater heute Dezember 2020
Rubrik: Bücher, Seite 45
von Franz Wille
Als die Mauer fiel, musste er erst mal Schlange stehen: Heiner Müller war auf dem Sprung nach New York, plötzlich musste er sich hinten anstellen. Das Ende der DDR bedeutete für ihn zunächst das Ende der Privilegien. Schon 1975 war er zum ersten Mal in die USA gereist. Er blieb mehrere Monate, überzog sein Visum. Niemand rechnete mehr mit seiner Rückkehr, Ruth...
Dieses Buch ist selbst wie eine Bühne. Ein Paket von fast 3 kg, auf dem Umschlag ein junger Roberto Ciulli, clownesk geschminkt, Zigarre in der Hand, melancholisch ins Weite blickend. Fremd, verführerisch. Ein Titelbild, das spüren lässt, wie schockverliebt der Verleger Alexander Wewerka war, als er Ciulli erstmals in Mülheim sah, jener von Berlin aus so entlegen...
Eva Behrendt Heute Abend hätte die Uraufführung von «Mutter Vater Land» in Bremen stattfinden sollen; die Premiere musste auf zunächst unbestimmte Zeit verschoben werden. Halten Sie es so lange noch aus?
Akın Şipal Aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben. Außerdem habe ich mir gestern die Generalprobe angesehen, ich weiß also in etwa, was daraus geworden ist.
EB Wie...
