Nice Guys und bad Girls
Einen einhelligen Abräumer gab es nicht bei der 15. und mit 14 eingeladenen Produktionen bislang umfangreichsten Ausgabe des Junge-Regie-Festivals «Radikal jung» am Münchner Volkstheater. Dafür eine breite Spanne mehr oder weniger kluger, tiefgründiger, fieser, witziger und überschwänglicher Selbstverortungsversuche – wobei weniger die opulenten Großbühnen-Produktionen als die unaufwendigen, im guten Sinne etwas eigenbrötlerisch zwischen gängigen Formaten agierenden Projekte den stärkeren Nachhall erzeugten.
Damit entfernt sich der Fokus des Festivals durchaus wohltuend vom Anspruch einer Vorauswahl künftiger Theatertreffen-Anwärter (selbst wenn mit Anta Helena Recke diesmal sogar eine Theatertreffen-Veteranin nochmals nach München zurückkehrt). Vielmehr ergibt sich durch die divergierenden Vorlieben der Dreier-Jury – Volkstheater-Chefdramaturg Kilian Engels, der ehemalige Theaterkritiker und Journalistik-Professor C. Bernd Sucher und als überregionale Neubesetzung die Berliner Theaterjournalistin Christine Wahl – eine Mischung, die die weitgestreuten und mitunter auch etwas diffusen Suchbewegungen der Häuser nach relevanten Anknüpfungspunkten ans Zeitgeschehen widerspiegelt. Ob ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juli 2019
Rubrik: Festivals, Seite 41
von Silvia Stammen
Wer braucht sie noch, die von rassistischen weißen Männern geschriebenen Klassiker? Wie viel künstlerische Freiheit darf sich andererseits politisch korrekte Kunst erlauben? Die Frage nach der Identität ist in den USA derzeit allgegenwärtig und beherrscht auch die Theaterwelt. Eine von Anbeginn an rassistische Gesellschaft bedarf zweifelsohne der Aufarbeitung ihrer...
Am Ende singen alle «Fuck all the perfect people», und man weiß nicht so recht, ob man da vielleicht selber gemeint ist oder doch nur das Theater, das sich bemüht, einen klassischen Text halbwegs vernünftig und verständig über die Rampe zu bringen. Einigermaßen perfekt halt und mit mitdenkenden Leuten, die in ihren Rollen noch Charaktere sehen, denen das Erzählen...
Der arme Michael hatte ja kürzlich gemeinsam mit dem Ingo Premiere an Urvater Olivers Theaterstätte. Ein Klassiker von William über einen schwarz angemalten Mann, der aus Wut darüber, dass er ein Taschentuch findet, seine schöne, jüngere Frau ermordet», lästern Anne Haug und Melanie Schmidli (Projekt Schooriil) in ihrer Theater-Miniatur «Let the Fame Grow». «Früher...
