Genderzukunft: Mehr Transparenz!
Der arme Michael hatte ja kürzlich gemeinsam mit dem Ingo Premiere an Urvater Olivers Theaterstätte. Ein Klassiker von William über einen schwarz angemalten Mann, der aus Wut darüber, dass er ein Taschentuch findet, seine schöne, jüngere Frau ermordet», lästern Anne Haug und Melanie Schmidli (Projekt Schooriil) in ihrer Theater-Miniatur «Let the Fame Grow». «Früher hätte ganz Berlin alles stehen und liegen gelassen», doch heute, in diesen «kalten, gegenderten Zeiten» schrieben selbst große Zeitungen, der Michael müsse sich endlich neu erfinden.
Wie «der Sebastian» zum Beispiel, der am Maxim Gorki Theater alles «seriell richtig» mache: nämlich «Stücke nur noch mit Frauen». – «Fakt ist, es kommen zwei lange, harte und kalte Jahre» auf das Theatertreffen und die dazugehörige Jury zu. Letztere werde allerhand Kindertheater in der tiefsten deutschen Provinz sichten müssen, um ausreichend bemerkenswertes «weibliches Führungsgold» zu Tage zu fördern.
Strategische Synergieeffekte
Dieser satirische Umgang mit der Tatsache, dass «Menschen mit Menstruationshintergrund» nur unzureichend an den Ressourcen und der Gestaltungsmacht in der deutschen Theaterlandschaft partizipieren, blieb bei ...
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Theater heute Juli 2019
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Anja Quickert
Das Foyer des Bremer Theaters hat sich in ein Pop-up-Restaurant verwandelt. Holztische stehen dicht an dicht, an den Wänden hängen bunte Plakate, arabischer Pop dudelt, hinter einer Bar köchelt scharfe Erdnusssoße. Alles wirkt auf undurchsichtige Weise gleichzeitig koordiniert und improvisiert, ähnlich den Kaschemmen, die man in Asien und Lateinamerika häufig am...
Die zweitstärkste Szene dieser belgisch-deutsch-irakischen Rumpf-«Orestie» ist nur auf Video zu sehen: Der legendäre, weil Demokratie- und Rechtsstaat begründende Schluss von Aischylos’ Trilogie sieht für das Ende der ewigen Gewalt einen recht knappen Ausgang vor. Bei der Abstimmung, ob Orest für den Rachemord an seiner Mutter Klytaimnestra verfolgt oder begnadigt...
Till (Stefan Vogl) ist «ein Kunde». Diese aus konsumgesellschaftlicher Sicht maximal missverständliche Vokabel bezeichnete im DDR-Idiom ungefähr das, was heute den Nerd mit dem Aussteiger verbindet. Der realsozialistische «Kunde» trug gemeinhin eine Langhaarfrisur zum Parka und lag sowohl mit fragwürdigen Kollektiv-Erziehungsberechtigten wie der Pionierleiterin im...
