Bamberg: Nobody is perfect
Am Ende singen alle «Fuck all the perfect people», und man weiß nicht so recht, ob man da vielleicht selber gemeint ist oder doch nur das Theater, das sich bemüht, einen klassischen Text halbwegs vernünftig und verständig über die Rampe zu bringen. Einigermaßen perfekt halt und mit mitdenkenden Leuten, die in ihren Rollen noch Charaktere sehen, denen das Erzählen am Herzen liegt.
Fuck them all!
Sebastian Schug nahm sich im Bamberger ETA-Hoffmann-Theater Shakespeares «Hamlet» vor, schnurrte sich eine eigene Kurz- und Kreuz- und Quer-Fassung für zwei Stunden zusammen und zerhackte den Text in sinnfreie Fragmente; Leuchtschrift blinkt («Live Show»); Bildschirme flimmern, Mikrofone baumeln von der Decke.
Was sah er dann? Einen flippigen Aussteiger, (Paul Maximilian Pira) der zwar nicht so recht mitbekommt, was um ihn her geschieht (treibt es nun die Mutter in der Plexiglas-Box – in der auch sonst viel Unverständliches geschieht – mit dem Mörder oder nicht?), dem auch Ophelia eher Banane ist (und einen Teil seines Monologs klaut sie ihm auch noch), der mit seinen Kumpels auf dem Sofa turnt und immer dann seinen blutverschmierten Mund in die Live-Kamera reckt, wenn gerade auf der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juli 2019
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Bernd Noack
Wer braucht sie noch, die von rassistischen weißen Männern geschriebenen Klassiker? Wie viel künstlerische Freiheit darf sich andererseits politisch korrekte Kunst erlauben? Die Frage nach der Identität ist in den USA derzeit allgegenwärtig und beherrscht auch die Theaterwelt. Eine von Anbeginn an rassistische Gesellschaft bedarf zweifelsohne der Aufarbeitung ihrer...
Henning Bochert Frau Stolowitz, Ihr Stück befindet sich bei New Dramatists (New York City) und dem Artists Repertory Theater (Portland, OR) in der Entwicklung und wurde Anfang Mai in szenischer Lesung bei New Dramatists vorgestellt. Was hat Sie auf die Idee zu «Recent Unsettling Events» gebracht?
Andrea Stolowitz Ich unterrichte an mehreren Universitäten. Mir war...
Einen einhelligen Abräumer gab es nicht bei der 15. und mit 14 eingeladenen Produktionen bislang umfangreichsten Ausgabe des Junge-Regie-Festivals «Radikal jung» am Münchner Volkstheater. Dafür eine breite Spanne mehr oder weniger kluger, tiefgründiger, fieser, witziger und überschwänglicher Selbstverortungsversuche – wobei weniger die opulenten...
