«Nachhaltigkeit geht nicht ohne Entschleunigung»

Das Staatsschauspiel Dresden hat seine Klimabilanz erstellt und zieht erste Konsequenzen – ein Gespräch mit der Ausstatterin Jenny Barthold, dem Technischen Direktor Peter Keune sowie dem Regisseur Tobias Rausch

Eva Behrendt Jenny Barthold, Sie engagieren sich in der Arbeitsgemeinschaft Nachhaltigkeit am Staatsschauspiel. Seit wann spielt das Thema Klimaschutz für Sie als Bühnen- und Kostümbildnerin eine Rolle? 
Jenny Barthold Das Thema betrifft ja nicht nur die Ausstattung, sondern alle Bereiche. Persönlich ist Nachhaltigkeit mir schon lange wichtig, aber beruflich ist dieser Aspekt in letzter Zeit stärker ins Bewusstsein gerückt.

Ich hätte meine Haltung zwar nie als nachhaltig bezeichnet, war aber noch nie ein Freund von Verschwendungstheater. Es hat z. B. mit dem Hinterfragen zu tun, ob Materialien neu sein müssen oder Altes wiederverwendet werden kann. Manchmal ist es auch nötig, weil bestimmte künstlerische Projekte nur ein geringes Budget haben und man schon deshalb nicht unendlich Material einkaufen kann. 

Karin Winkelsesser Und wie sieht es bei Ihnen in der Technischen Leitung aus, Peter Keune? 
Peter Keune Ich habe mich privat und im Beruf schon lange mit ökologischer Nachhaltigkeit befasst, aber jetzt geht es darum, internationale Ziele und Standards zu etablieren und einzuhalten. Ich bin jemand, der schon immer Schrauben sammelt, altes Material aufhebt, und kämpfe um jede ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2021
Rubrik: Nachhaltigkeit, Seite 32
von Eva Behrendt und Karin Winkelsesser

Weitere Beiträge
Borke und Baum

Immer wieder liegt derselbe Stolperstein im Weg, Skepsis und Zweifel beunruhigen, verunsichern und hemmen immer wieder neu. «Warum ich?», fragt sich Anja Herden jetzt, wo sie erzählen soll von sich selbst. «Bin wirklich ich gemeint?» Oder geht es wieder um den «Diskurs», zu dem sie nun mal gehört und für dessen Beglaubigung sie womöglich gerade herhalten soll....

Fortschritt und Tragödie

Schwarze, geschlechtsneutrale Gewänder in nebeldüsterem, schwarzem Bühnenraum; nur ein dünner blauer Neonkreis – ein schmaler Sonnenrest? – hängt über der Bühne. Tastende Schritte einer eng zusammengedrängten Menschengruppe, die langsam, mit großen Pausen einzelne Wörter hervorstößt, von Mikroports hallig verstärkt. Irgendwann schleicht sich ein tiefes Brummen in...

Wie hältst du’s mit der Religion?

Bei der Frage nach der Kostümbildnerin des Jahres hat sich Katrin Wolfermann schon mal in eine recht gute Position gebracht. Sandra Gerlings Gruschenka trägt in Oliver Frljics Inszenierung von Dostojewskis «Die Brüder Karamasow» am Deutschen Schauspielhaus Hamburg ein von Wolfermann entworfenes Kleid, irgendwo zwischen Trauerflor und Bondage-Geschirr, und als sie...