Mutter Deutschland
Da stehen sie auf der Bühne. 23 Personen, davon sechs Schauspieler, der Rest Laien – und singen. Es ist eine Art chorischer Sprechgesang, den Marta Górnicka mit ihrem Ensemble eingeübt hat. Wie in ihrem festivalerprobten polnischen Frauenchor «Magnificat» oder «Requiemmaszyna» (s. TH 2014/10, S. 21) sind die Töne und Nuancen verwoben zu einem Klangteppich. Und wie in einem Orchester führt nur absolute Präzision zum gewünschten Ergebnis. Für Improvisationen und Alleingänge ist kein Platz.
Górnicka selbst steht während der ganzen Aufführung auf einem Sockel in der Mitte des Parketts und dirigiert. Man muss sie nur ansehen, um ihre Kraft zu spüren. Mit Grimassen und zischenden Lauten setzt da eine junge Frau ihre Vision um, gegen alle Widerstände, die ein durchschnittlicher Staatstheater-Betrieb so mitbringen kann. Bang. Bang. Bang. Und so dicht und zwingend erscheint auch das Ergebnis auf der Bühne.
«Die Mutter muss immer einem Zweck dienen», stoßen einige der Spieler hervor. Andere intonieren dazu Töne. Klagelaute. Alle tragen Alltagskostüme. Das könnte auch eine Masse auf der Straße sein. Es ist ein echt antiker Chor. Einer, der wie ein Schwarm beständig die Richtung ändert. Mal ...
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Theater heute November 2015
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Alexander Kohlmann
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