Moralische Sonnenfinsternis
Mission accomplished: Die Medien titeln «Skandal», Tierschützer protestieren, Twitter läuft heiß, Kritiker und Theatermacherinnen strömen nach Dortmund, und Intendant Kay Voges distanziert sich rollengemäß «verärgert» von den wilden Aktivisten, die angekündigt haben, das putzige Jaguarbaby Raja im örtlichen Zoo umzulegen.
Level 2 stellt die deutlich größere Herausforderung dar: Die professionell akquirierte Aufmerksamkeit muss gelenkt werden, weg von «diesem Vieh» (dem im Übrigen kein Schnurrhärchen gekrümmt wird), hin zum großen gesellschaftlichen Versagen im Jahre 2015 und zu dessen gravierenden Folgen für die Zukunft. Noch wach? Genau, das ist das Problem. Ein, zwei humanistisch-engagierte Schlagworte, und wir schalten ab. Wie soll man Menschen aufrütteln, die längst wissen, dass sie in Europa auf Kosten ganzer Kontinente leben, die gelernt haben, Nachrichten von Kriegen, von Genoziden zu konsumieren, ohne zu verzweifeln, ohne zu handeln? Das «Zentrum für Politische Schönheit» (ZPS) um Aktionskünstler Philipp Ruch entscheidet sich diesmal für das inszenierte Scheitern an eben dieser Aufgabe – in einem düster-komischen Science-Fiction-Szenario.
Vier resigniert routinierte ...
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Theater heute November 2015
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Cornelia Fiedler
His highness is not well.» Das kann man laut sagen. In Justin Kurzels Verfilmung der Tragödie von Macbeth wird allerdings meistens geflüstert. Es ist, als wäre die Welt da draußen, dieses majestätisch unheimliche Schottland, hinter einem Spiegel, in dem sich die Figuren mit fröstelndem Erstaunen mustern. Sind wir das, die all diese Dinge tun? Die immer neue Leichen...
Da stehen sie auf der Bühne. 23 Personen, davon sechs Schauspieler, der Rest Laien – und singen. Es ist eine Art chorischer Sprechgesang, den Marta Górnicka mit ihrem Ensemble eingeübt hat. Wie in ihrem festivalerprobten polnischen Frauenchor «Magnificat» oder «Requiemmaszyna» (s. TH 2014/10, S. 21) sind die Töne und Nuancen verwoben zu einem Klangteppich. Und wie...
Die Dramen sind nur so gut, wie ihre Zeiten schlecht sind. Wer wusste das besser als Heiner Müller? Mit dem Untergang der DDR sei sein Stoff verschwunden, ließ Müller schon kurz nach der Wende wissen. Der Stoff eines Landes, dessen Wirklichkeit bereits im landläufigen Sinne des Wortes «dramatisch» war, konfliktgesättigt, voller Zermürbungskämpfe in der Kluft...
