Mülheim: Trauer-Expeditionen
Vier Jahre nach der großen Flüchtlingsankunft ein großes Flüchtlingsstück zu inszenieren, grenzt an Wagemut. Seitdem die europäische Abschottungspolitik effizient und erbarmungslos geworden ist, hören wir auf Bühnen kaum noch davon, auserzählt und abgestumpft wirken die theatralischen Empathie-Bekundungen von 2015.
Wenn sich Altmeister Roberto Ciulli in «Boat Memory – Das Zeugnis» nun theatralisch jenem Thema widmet, das Deutschland so fundamental gespalten hat, geschieht das nicht als wohlfeiles Mitleidsprojekt und trägt doch dokumentarische Züge: Inspiriert wurde Ciulli von der mailändischen Forensikerin Cristina Cattaneo, die sich seit 2013 der Identifizierung von Opfern großer Schiffsunglücke vor Lampedusa widmet, um ihnen Würde und Namen zurückzugeben – Ende 2020 kommt ein Dokumentarfilm über sie in die Kinos.
Ciullis «Boat Memory» wird zu einer Art forensischem, kathartischen Kunst-Projekt. Auf der Bühne liegt ein gestrandetes Bootsgerippe auf einer Wasserfläche. Minutenlang schweigen die Darsteller als Wissenschaftlerinnen in Sezierschürzen und Langhaarperücken voller Ehrfurcht und Schrecken vor der «Crime Scene», dem Ort des Verbrechens. Still beginnen sie dann ihre ...
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Theater heute Theater der Welt wurde 1979 vom Internationalen Theaterinstitut als «Theater der Nationen» in Hamburg gegründet und hieß ab 1981 in Köln «Theater der Welt». Damals ging es um die dringend nötige Internationalisierung eines sehr selbstzentrierten deutschen Literaturtheaterbetriebs, und das Festival war eine Art Vorreiter. Später wurde es dann ein...
Das Wiener Burgtheater hatte schon alle Vorstellungen bis 31. März abgesagt, da war der Deutsche Bühnenverein noch verhalten optimistisch. Man gehe davon aus, hieß es am 9. März, «dass der Spielbetrieb in den Orchestern weitgehend regulär weitergeht». Aber man bewerte die Lage täglich neu. Zunächst galten laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn 1000 Personen als...
Jago legt gleich richtig los, während Venedigs gute Gesellschaft aufgekratzt und mit gefrorenem Lächeln in Endlosschleife über einen Laufsteg sprintet. Er schnappt sich das Mikro, das am langen Seil aus dem Bühnenhimmel baumelt, und donnert sein Leitmotiv in den Raum: «Ich hasse den Schwarzen! / Der Schwarze muss weg.» Sein Einsatz ist die zweite Wortmeldung des...
