Es war einmal ein Global Player
Dieser Peer ist ein Prachtkerl. Einer, für den die Mädels alles stehen lassen und den seine Mutter insgeheim vergöttert, obwohl sie ihn ständig ausschimpft. Ein Rumtreiber und Prahler, dem man trotzdem kaum übelnehmen kann, dass er sich mit dem oder der ersten Besten nicht zufrieden geben mag, wo ihm doch auf märchenhafte Weise alle zu Füßen zu liegen scheinen.
Wie ein Märchen beginnt David Bösch auch seine Inszenierung von Ibsens rauem Erzähltrip durch die Zwiebelschalen eines Menschenlebens am Münchner Residenztheater: In einem kahlen Wald aus hohen Fichtenstämmen haust Peer mit seiner Mutter Aase in einem wackeligen Wohnwägelchen. Bierkästen an den Baumwurzeln lassen vermuten, dass hier nicht ohne Fröhlichkeit gelebt wird. Zwar hat der Vater zu Lebzeiten den Hof mit Spiel und Trinken durchgebracht, und seither sind die Gynts prekäre Randexistenzen, wo sie einst zur Dorfoberschicht gehörten; doch Angst macht Peer nicht der soziale Abstieg, sondern der mögliche Zwang, irgendwo dazugehören zu müssen.
Da nimmt er lieber Reißaus in ungestüme Tagträume, die Shenja Lacher, der diesen Abend so souverän nach Hause reitet wie Peer den wilden Bock in seiner erlogenen Jägerschnurre, aus ...
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Theater heute Februar 2015
Rubrik: Chronik München, Seite 54
von Silvia Stammen
Es ist eines der schönsten und verrücktesten Theaterprojekte unserer Tage: In der auf zehn Teile angelegten Performancereihe «Life and Times» bringt die New Yorker Gruppe Nature Theater of Oklahoma seit 2009 die Lebensgeschichte einer jungen Frau auf die Bühne.
Basis für das epochale Unterfangen sind zehn Telefonate, die 2007 mit der damals 34-jährigen Musikerin...
Sie kommen aus dem Norden. Die Grenze ist löchrig, und Schlepperbanden besorgen den Rest: zu Fuß, über das Land, herunter vom Hochplateau, aus den angrenzenden Nachbarländern Zimbabwe, Mosambik, Angola, aus Zentralafrika, dem Kongo, aber auch aus dem Nordwesten, Senegal, Elfenbeinküste.
Sie kommen aus dem Süden. Zu Fuß, durch die Wüste, überqueren Landesgrenzen des...
Ohne weiteres kann man die Frankfurter Aufführung als Film beschreiben, stellenweise sogar als erstaunlich gelungenes Remake jener Verfilmung von 1951 mit dem jungen Marlon Brando, an die in diesem Zusammenhang alle denken: zwei bühnengroße Leinwände, auf denen die Schauspieler meist in Close-Ups zu sehen sind, meist sehr close, dazwischen eine entsprechend...
