Mit vollem Ernst albern

Der Schauspieler des Jahres Sebastian Rudolph ist der großartigste von mehreren großartigen Fäusten in Nicolas Stemanns Inszenierung des Jahres, «Faust I + II». Vielleicht, weil das Faustische auch sein Leben durchdringt

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Ein junger Mann kommt auf die Bühne, die leer geräumt ist bis auf ein Klavier. Ein Probenraum, in dem (noch) niemand zu wissen scheint, wohin die Reise geht. Und auch der Mann, der die Bühne durchquert und umrundet, als ließe der Ort sich so besser verstehen, sieht wie ein Suchender aus in seinen Alltagskleidern und mit dem Reclamheftchen als Navigationshilfe in der Hand. Tastend, fragend, den eigenen Worten hinterher lauschend spricht er die Zueignung, mit der «Faust I» beginnt, Goethes wehe Elegie, mit der er 1797 die Arbeit am Faust­stoff wieder aufnimmt.

Die nun folgende Dreiviertelstunde von «Faust I» wird Sebastian Rudolph in einem grandiosen monologischen Alleingang meistern – den «Prolog auf dem Theater» mit Feuer und Pathos, das «Vorspiel im Himmel» als wirbelnde Sesamstraße mit senilem Gott im Hintergrund, die «Nacht» und das Folgende schon wieder nüchtern, genervt, den Versen samt ihrem zu Ohrwürmern geronnenen Bildungsgut denkend wider­stehend. Wie Rudolph es schafft, all diese Bälle leicht und spielerisch in der Luft zu halten – die verschiedenen Stile, verschiedenen Rollen und eine hochkomplexe, dabei sehr direkt und verständlich gesprochene Sprache – und wie er dabei ...

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Theater heute Jahrbuch 2012
Rubrik: Die Spieler des Jahres, Seite 80
von Eva Behrendt

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