Störungen im Betrieb

Sibylle Dudek über Fritz Kater «demenz, depression und revolution»

Theater heute - Logo

«Studie zu drei mythen der gegenwart» untertitelt Fritz Kater sein neues Stück «demenz depression und revolution». Mythen wurden und werden vor allem aus zwei Gründen erschaffen: um eine Erklärung für Unerklärliches zu finden und somit die Angst zu verkleinern und um den eigenen Standpunkt zu bestimmen – in ihnen drückt sich ein Welt- und Selbstverständnis aus. Bei jedem Erzählen formt sich der Mythos neu und entwickelt sich weiter.

Wenn es sich, wie Fritz Kater behauptet, bei den drei Phänomenen Demenz, Depression und Revo­lution also um Mythen handelt, dann liegt es in unserer Macht, wie wir von ihnen sprechen, ob wir sie als schicksalhaft und ausweglos begreifen, oder ob wir sie als Teil unserer Wirklichkeit erleben.

Alle drei Phänomene beschäftigen intensiv die öffentliche Wahrnehmung: Demenz/Alzheimer taucht in verlässlicher Regelmäßigkeit verbunden mit Bekenntnissen Prominenter auf (letztes Beispiel: Rudi Assauer, der in Form einer «Stern»-Titelgeschichte, einer Dokumentation und eines Buches bekannte: «Ich habe Alzheimer»). Als schwere Schicksalsschläge werden diese Fälle beschrieben, unausweichlich und immer ungerecht. Auch die Depression hat in den Medien Karriere gemacht, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2012
Rubrik: Die neuen Stücke der Spielzeit, Seite 151
von Sibylle Dudek

Weitere Beiträge
Theater mit der Kreativität

Wir sind alle Künstler, wir haben es nur noch nicht alle bemerkt. Und wir sind es nicht mehr freiwillig, wir müssen es sein. Kreativität ist längst eine Leitforderung unserer Gesellschaft: kein Unternehmen, kein Selbstunternehmer, kein Produkt, das nicht in permanenter Innovation, Abweichung, Verbesserung sein Heil sucht. Aber was bedeutet das für das Vor- und...

Impressum

Die Theaterzeitschrift
im 53. Jahrgang
Gegründet von
Erhard Friedrich und Henning Rischbieter

Herausgeber
Friedrich Berlin Verlag

Redaktion
Eva Behrendt
Barbara Burckhardt
Franz Wille (V.i.S.d.P.)

Mitarbeit
Marion Schamuthe

Gestaltung
Christian Henjes

Designkonzept
Ludwig Wendt Art Direction

Redaktionsanschrift
Knesebeckstr. 59–61, 10719 Berlin,
Telefon 030/25 44 95 10, Fax...

Versehrt, verletzt, vernarbt

Theater ist eine lokale Kunst. Schreiben eigentlich nicht. Theaterschreiben bestenfalls nicht. Dramatik will und soll grundsätzliche Fragen stellen. In Zeiten vielschichtiger Förderungen zeigt sich aber, dass das Schreiben lokale Verortung erfährt. Immer öfter ist nicht nur das Theater und sein Ensemble, sondern die Metropole oder der Landstrich samt seiner...