Störungen im Betrieb
«Studie zu drei mythen der gegenwart» untertitelt Fritz Kater sein neues Stück «demenz depression und revolution». Mythen wurden und werden vor allem aus zwei Gründen erschaffen: um eine Erklärung für Unerklärliches zu finden und somit die Angst zu verkleinern und um den eigenen Standpunkt zu bestimmen – in ihnen drückt sich ein Welt- und Selbstverständnis aus. Bei jedem Erzählen formt sich der Mythos neu und entwickelt sich weiter.
Wenn es sich, wie Fritz Kater behauptet, bei den drei Phänomenen Demenz, Depression und Revolution also um Mythen handelt, dann liegt es in unserer Macht, wie wir von ihnen sprechen, ob wir sie als schicksalhaft und ausweglos begreifen, oder ob wir sie als Teil unserer Wirklichkeit erleben.
Alle drei Phänomene beschäftigen intensiv die öffentliche Wahrnehmung: Demenz/Alzheimer taucht in verlässlicher Regelmäßigkeit verbunden mit Bekenntnissen Prominenter auf (letztes Beispiel: Rudi Assauer, der in Form einer «Stern»-Titelgeschichte, einer Dokumentation und eines Buches bekannte: «Ich habe Alzheimer»). Als schwere Schicksalsschläge werden diese Fälle beschrieben, unausweichlich und immer ungerecht. Auch die Depression hat in den Medien Karriere gemacht, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2012
Rubrik: Die neuen Stücke der Spielzeit, Seite 151
von Sibylle Dudek
Ein junger Mann kommt auf die Bühne, die leer geräumt ist bis auf ein Klavier. Ein Probenraum, in dem (noch) niemand zu wissen scheint, wohin die Reise geht. Und auch der Mann, der die Bühne durchquert und umrundet, als ließe der Ort sich so besser verstehen, sieht wie ein Suchender aus in seinen Alltagskleidern und mit dem Reclamheftchen als Navigationshilfe in...
Wer einmal Constanze Becker gegenüber gesessen und in ihre großen dunklen Augen geblickt hat, wird die Tiefgründigkeit, die Anmut und die Wahrhaftigkeit des Schauspielerberufs erahnen können. Es war kurz vor der Sommerpause 2006, als ich Constanze Becker das erste Mal begegnete. Wir saßen auf dem Vorplatz des Deutschen Theaters, ich war dort Schauspieldirektor, und...
David Mamet sorgte 2008 mit einem Artikel, den er unter dem etwas reißerischen Titel «Why I Am No Longer a Brain-Dead-Liberal» im New Yorker Magazin «The Village Voice» veröffentlichte, für Furore. Er sagte sich darin von der idealistischen Linken los, für die er sich ein Leben lang eingesetzt hatte, und machte sich für die Argumente der Vertreter des neoliberalen...
