Messianischer Moralismus
Etwa auf der Hälfte dieses Interviewbandes steht ein Fragebogen des Dramatikers Moritz Rinke, dessen sportliche Herausforderung Christoph Schlingensief ungewohnt bündig und lakonisch angeht. «Wie würden Sie gern in Erinnerung bleiben?», steht dort als zweiundzwanzigste und letzte Frage. Schlingensief: «In schlechter …»
Dieser Wunsch, so er denn einer war, hat sich für Christoph Schlingensief definitiv nicht erfüllt.
Im zehnten Jahr nach seinem Krebstod sind die Medien gefüllt mit Elogen auf den «Schmerzpunkt-Forscher» (SZ), den «Provokateur, der sich vor allem selbst provozierte» (Die Zeit), den «letzten Prinz der schwarzen Romantik» (nachtkritik.de). Bettina Böhlers Dokumentarfilm «Schlingensief – In das Schweigen hineinschreien» zeigt Bambule im Bewegtbild. Und der Sammelband «Kein falsches Wort jetzt», herausgegeben von Schlingensiefs Witwe Aino Laberenz, bringt eulenspiegelndes Wortgewirk aus Print und Radio zum Nachblättern auf den Nachttisch. Er gibt eine Auswahl von 33 (aus wie vielen?) Interviews, chronologisch angeordnet: von den frühen Oberhausener Filmemacher-Tagen bis zum späten instruktiven Werkstattbericht des Theatermenschen («Ich habe geklaut», Spex 328/2010).
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Theater heute Dezember 2020
Rubrik: Bücher, Seite 42
von Christian Rakow
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