Mein Nachruf zu Lebzeiten

Saskia Kaufmann und Raban Witt erinnern an Christoph Schlingensief mit «Sterben in Oberhausen»

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Der Tabubruch ist ja noch immer präsent. Auch weil er damals in aller medialen Breite stattgefunden hat – über die eigene Krankheit zum Tode, letztlich über die eigenen Vorbereitungen auf das Sterben sprach und schrieb Christoph Schlingensief, wie das noch niemand zuvor getan hatte.

Und er forcierte Lebenslust und Todesbeschwörung sicher auch mit Blick auf die eigenen Verzweiflungen – immerzu damit umzugehen, das schien als eine Art Vademecum gedacht zu sein, als eine Art Imprägnierung gegen die kalten Unwettergüsse bei jeder neuen schlechten Nachricht aus den medizinischen Abteilungen.

Wer dem wichtigsten Einzelgänger zwischen den Künsten folgen mochte in jener Zeit, speziell nach dem Ausflug mit Wagners «Fliegendem Holländer» nach Manaus und in den brasilianischen Amazonas-Urwald, mag Schlingensiefs letzte Arbeiten wie verhext erlebt und durchlitten haben: etwa «Mea Culpa» am Wiener Burgtheater oder Lesungen und Performances mit dem Material aus den eigenen Sterbe-Tagebüchern. Dann aber war es so weit, vorhergesehen und doch überraschend – alle schamanische Beschwörung hatte nichts geholfen. Im August vor zehn Jahren starb Christoph Schlingensief; am 24. Oktober letzten Jahres ...

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Theater heute Februar 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 50
von Michael Laages

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