«Es muss alles anders werden»
Dorothea Marcus Wie funktioniert es rein praktisch, in Corona-Zeiten in Belgien Intendant zu sein und in Köln zu wohnen?
Milo Rau Viel besser als ohne Corona in jedem Fall, weil man mehr zu Hause ist.
DM Die Familie freut sich – aber gilt das auch für das NT Gent?
Rau Unser Theater ist seit November geschlossen, wir proben nur. Die Saison beginnt Ende März, wir spielen dafür den Sommer durch. Das haben wir gleich Ende Oktober entschieden.
Der rasende Stillstand der ersten Welle hat uns an den Rand des Wahnsinns gebracht, wir haben alles zehn Mal umgeplant. Diesmal haben wir gesagt: Wir schicken die Leute in den Urlaub und bereiten uns vor. Erst im Frühjahr haben wir die erste Premiere mit dem neuen Luk-Perceval-Stück, und dann geht es eng getaktet wieder los. Dieser radikale Entschluss hat einen völlig anderen Möglichkeitshorizont eröffnet. Wir haben angefangen, in Arbeitsgruppen die Struktur unseres Theaters und unserer Produktionsweisen grundsätzlich zu durchdenken. Das hysterische Streaming, das wir im ersten Lockdown natürlich mitgemacht haben, war eine schöne Sache. Aber jetzt haben wir uns die Zeit genommen, andere Formate zu entwickeln. Wir haben die «School of Resistance» ...
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Theater heute Februar 2021
Rubrik: Akteure, Seite 17
von Dorothea Marcus
Warum wird im Theaterbetrieb so dringlich über Digitalität gesprochen, als hinge die Zukunft der Kunst davon ab? Aber kaum in Clubs und Konzertlokalen, obwohl die im Gegensatz zu den Theatern tatsächlich sterben? Die einfache Antwort ist: Weil man kann. Weil dafür Geld da ist. Etwas längere Antworten gibt es im Band «Netztheater» von berufener Stelle, denn der...
«Werther», das ist ja nur in zweiter Linie der Roman einer großen Liebesverirrung bis zum Selbstmord. Klassisch wurde Goethes Blockbuster vor allem als Dokument einer Medienrevolution. Wer von «Werther» spricht, spricht immer auch vom «Werther»-Fieber, von der empfindsamen Buchkultur, an der sich das Gemüt des Helden und seines Publikums entflammte. «Werther» ist...
Wenn einer in die Eckkneipe wankt und lauthals «Ich bin nicht Hamlet!» nölt, dann wird es sich der Wirt zweimal überlegen, ob er ihm noch einen Schnaps gibt oder nicht. In der «Wartburg» in Jena aber schiebt Rolfe hinter der Theke gleich das Bier hin, und die Stammgäste warten nur darauf, dass der Monolog nun anhebt. Ob der von Heiner Müller ist oder sonstwem,...
