Mehr Wodka!
Es ist kein Zufall, dass die drei letzten großen Theaterproduktionen des steirischen herbst allesamt im Foyer beginnen. Dort, im Theatervorraum, spielt ja auch das richtige Leben: Da stimmt sich der Besucher auf den Übertritt in die Bühnenwelt ein, hat noch Gelegenheit, ein wenig kulturelles Kapital zu wechseln, in guter Gesellschaft zu trinken, und kann sich am Ende auch noch am freien Austausch der Meinungen über das Gesehene beteiligen. Kein unattraktiver Ort also für postdramatische Entgrenzungen aller Art.
Um «Liebe, Leidenschaft und Leben im Exil» werde es gehen, verkündet Mårten Spångberg also den Festivalbesuchern im Foyer des Dom im Berg, einer zur Jahrtausendwende in den Schlossberg der Stadt Graz gesprengten Multifunktionshöhle, bevor er den Weg in den Theaterraum freigibt. Dort haben der holländische Regisseur und Performing-Arts-Forum-Gründer Jan Ritsema und seine 18-köpfige Supergroup (mit Künstlern und Choreografen wie Christine de Smedt, Xavier Le Roy u.a.) das Set für «Shakespeare’s As You Like It, A Body Part» vorbereitet. Man ahnt bereits: Mit dem von Shakespeare erdachten komödiantischen Reigen der Verbannten im Ardenner Wald hat das Kommende nur im ganz ...
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Theater heute Dezember 2011
Rubrik: MAGAZIN, Seite 55
von Thomas Wolkinger
Ein unzeitgemäßes Buch: Esther Slevogt blättert das Leben von Wolfgang Langhoff auf, eine der tragischeren Theaterbiografien des letzten Jahrhunderts. Langhoff hat seine bürgerliche Herkunft, seine Vergangenheit als Freikorpskämpfer und als dandyhafter Jungschauspieler an Louise Dumonts Düsseldorfer Schauspielhaus hinter sich lassend, den Kommunismus um 1930 in...
Im Jubiläumsjahr 2011 ist Heinrich von Kleist 200 Jahre tot und Adolf Dresen, der in den 70er Jahren ein großer Kleist-Regisseur in der DDR war, zehn. «A. ist jetzt tot», mit diesem Satz enden viele Kapitel der «Bilder von A.», in denen ohne große Versteckspielerei Barbara Honigmann die Geschichte ihrer schwierigen Liebe zum 15 Jahre älteren Dresen erzählt, durch...
An einem verregneten Sommerabend Ende der neunziger Jahre kehrte dieser heimatlose Odysseus nach München zurück – nicht an eines der beiden großen Bühnengestade dies- und jenseits der Maximilianstraße, an denen Heinz Bennent in den siebziger und achtziger Jahren der hellste und fernste Stern gewesen war: am Residenztheater als Ingmar Bergmans Andersen in Per Olov...
