Match Cut
In alten Dramentheorien wurde die Frage gestellt, was im Zentrum steht, die Figur oder die Handlung. Es war die Zeit, als die Welt zumindest in Theatertexten noch in Ordnung war. Der Autor hatte ein Schauspiel geschrieben mit einem Titel, und im Text erfolgte zunächst das Verzeichnis der auftretenden Personen. Der gut informierte Zuschauer, der später eine Aufführung besuchte, wusste, was auf ihn zukam oder besser, wer da die Bühne betritt. Bekanntlich ist heute alles anders und niemand weiß mehr, wer er ist.
Ist der Schauspieler eine Figur, oder spielt er einen Kommentar, oder ist er privat auf der Bühne? Selbst der Zuschauer ist sich unsicher, ob er noch gemeint ist, und der Autor weiß schon lange nicht mehr, ob das, was er geschrieben hat, so auf der Bühne zu sehen sein wird, wie es geschrieben steht.
«Ach, Theater!», raunt es leicht verzweifelt. «Warum kann Theater nicht wie Fußball sein?» Aber halt! Der Fußball ist auch nicht mehr so wie früher, fassbar in einfache Formeln, wie «Der Ball ist rund» oder «Das nächste Spiel ist immer das schwerste». In der Startaufstellung waren früher einfach die besten elf Spieler einer Mannschaft. Heute, im modernen Fußball, gibt es ...
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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 160
von Matthias Günther
Ich schreibe aus Rache», bekennt die spanische Autorin, Regisseurin und Performerin Angélica Liddell. Aus Rache an ihrer Familie, dem Patriarchat, den Gewaltmechanismen der Gesellschaft. Medium dieser Rache sind Liddells inzwischen legendär gewordenen Hassmonologe, und ihre Waffe ist Liddells eigener Körper. Mit Impuls und Geschwindigkeit eines Maschinengewehrs...
Manche Freiheiten sind für uns so selbstverständlich, dass wir kaum noch über sie nachdenken. Die Kunstfreiheit etwa sehen wir als selbstverständliche Grundlage unserer Arbeit – und nicht als Privileg, das nicht allen Menschen im gleichen Maße zuteil wird. Wir sollten dieses Privileg deshalb besonders schützen und nutzen. Denn mit jeder Freiheit geht auch...
Das Gorki Theater in Berlin gibt dem Zentrum für politische Schönheit Gelegenheit, auf die Flüchtlingsfrage drastisch hinzuweisen. Die Politik soll dazu bewegt werden, ein Gesetz abzuschaffen, «das eine Schande für dieses Land und Europa darstellt». Vier Tiger waren für zwölf Tage vor dem Theater untergebracht, Menschen sollten sich finden, die bereit wären, sich...
