Nach dem Ende
Die Welt, wie wir sie kennen, wird eines Tages zugrunde gehen. Wir verdrängen das dauernd, sonst könnten wir keinen Tag überstehen. Aber wahrscheinlich faszinieren und verstören uns deshalb apokalyptische Szenarien so sehr: Endzeitparabeln tauchen in Theater, Literatur und Film in den letzten Krisenjahren häufiger auf, apokalyptische Reiter in unruhiger Zeit. Sie sind ein Flirt mit der Todessehnsucht nach dem jüngsten Gericht, dem großen dramatischen Untergang.
Wenn es Autoren gelingt, jenseits des Genre-Stücks eine ganze Welt nach der Welt atmosphärisch dicht und eindringlich zu entwerfen, erzeugen sie ein anziehend-abstoßendes Grauen. Sie führen uns unsere Vergänglichkeit vor Augen. Eine wirklich faszinierende, beklemmende, packende Apokalypse wie «Zwischen den Dingen sind wir sicher» aber erfasst aktuell bestehende Zustände im Kern, um sie radikal zu Ende zu denken.
Im sicherlich bis jetzt düstersten Stück der jungen Autorin Laura Naumann, der es ja immer brillant gelingt, Gesellschaftszustände oder Generationenbilder in ungewöhnlicher Form und ohne Klischees schillern zu lassen, ersteht die Vision einer entseelten Welt ohne sozialen Zusammenhalt, ohne Empathie und ohne ...
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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 173
von Kathrin Mädler
Der Dramatiker Ferdinand Schmalz liebt Humor und bildhafte Spielorte. So wundert es kaum, dass nach dem Butterberg hinter der Molkerei, dem sumpfigen Urgrund eines Einkaufsparadieses und dem Unfallchaos an einer Raststätte in seinem neuen Drama ein überflutetes Thermalbad zum Gesellschaftsbild unserer mittels Wellness und Körperkult weichgespülten Wirklichkeit...
Ich schreibe aus Rache», bekennt die spanische Autorin, Regisseurin und Performerin Angélica Liddell. Aus Rache an ihrer Familie, dem Patriarchat, den Gewaltmechanismen der Gesellschaft. Medium dieser Rache sind Liddells inzwischen legendär gewordenen Hassmonologe, und ihre Waffe ist Liddells eigener Körper. Mit Impuls und Geschwindigkeit eines Maschinengewehrs...
Der 1958 im belgischen Sint-Niclaas geborene Autor Tom Lanoye hat bereits mehrfach unter Beweis gestellt, wie gekonnt er alte Stoffe bearbeitet und neuschreibt. Bei «Mamma Medea» und «Atropa» waren es die Dramen des Euripides und Aischylos, in «Hamlet versus Hamlet», seinem Opus magnum «Schlachten!» und jetzt «Königin Lear» die großen Königsdramen Shakespeares,...
