Sentimental Journey
Berlin-Neukölln am Mittag. Es ist ein Tag wie gemalt für Klischeeliebhaber. Am Hermannplatz mischen sich die Sprachen des Ostens mit den suchenden Blicken internationaler Hipness-Touristen. An der Ampel kauert eine ältere Frau mit Kopftuch und wartet auf Almosen. Zehn Meter weiter in der Sonnenallee wird ein dunkelhäutiger Mann mit Hoodie und gefesselten Händen im Polizei-Van verhört.
Hier wohnt Ersan Mondtag. Zwischen dem Friseur «Ceyda» und «Takil Köfte Burger – einmalig in Berlin» liegt sein Hauseingang.
Lila an die Wand gesprüht begrüßt einen die Ansage: «Refugees welcome! -> ACAB». Noch sieht es hier aus wie im alten Westberliner Kiez, wo Türken, junge Pläneschmieder und Berliner Transfergeldempfänger in ruppiger Nachbarschaft bröselige Altbauten mit Graffiti-Haut bewohnen. Aber hier wird saniert – seit zwei Jahren und mit dem erklärten Ziel, die Mieten zu erhöhen. Das Stillleben mit Widerständen wird verschwinden, das Unschlüssige soll ersetzt werden durch Biografien ohne Anlass zum Zorn.
Ersan Mondtag lebt hier – wenn auch nur noch zwei Monate im Jahr – in einer kleinen Einraumwohnung im Hinterhof. Hochbett überm Schreibtisch, Sofa, kleiner Tisch mit zwei Stühlen. An den ...
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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Nachwuchs des Jahres, Seite 82
von Till Briegleb
Kein anderer Dramatiker lässt auf der Bühne so ekelhafte Grausamkeiten begehen wie der irischstämmige Martin McDonagh: Es wird gefoltert, was das Zeug hält, Körperteile werden abgeschnitten und Katzen erschossen. Nur erhängt wurde noch niemand – bis zu dem neuen Stück «Hangmen» («Die Henker»), geschrieben nach einer langen, viel zu langen Pause, die sich der Autor...
A
Ayad Akthar
The Invisible Hand (Schauspielhaus Bochum)
The Who and The What (Deutsches Schauspielhaus Hamburg)
Paul Auster
Mr. Vertigo (Theater Dortmund)
Alan Ayckbourn
Rondo (Theater Bielefeld)
Saphia Azzedine
Zorngebete (Theater Ulm)
Malin Axelsson/Karin Serres/Marianne Ségol
Rose Rose Rose (Theater der Jungen Welt Leipzig)
B
Michail Bartenjew und Alexej...
Ich habe einige Freunde, die gern von Krieg sprechen, jetzt hier in Europa. Terror. Unser gefühlter Krieg.
Ich will nicht mutmaßen, wie ich mit einem Terroranschlag in München umgehen würde. Silvester gab es eine Warnung. Wir saßen zu fünft in der Küche meiner WG und überlegten, auf die Theresienwiese zu gehen. Letztendlich entschieden wir uns dagegen, weil zwei...
