Manische Narzissten

Shakespeare «Was ihr wollt» am Theater an der Ruhr

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Malerisch prangt der Mond über der hohen Steinmauer, die am Ende der Bühne jeglichen Ausweg zu verweigern scheint. Blaues Licht taucht den Raum in Melancholie. In einer Ecke verheißt eine pinke Leuchtschrift «Illyrien» und erinnert mit Flügel und Pianist an eine Bar. Eine verwaiste Badewanne trägt die Aufschrift «No Veritas», tote Gleise führen ins Nichts (Bühne: Gralf-Edzard Habben). Am Rande dieses märchenhaften Ortes sitzen die Schau–spieler in geringelten Pullovern, rote Plastikeimer über die Köpfe gestülpt.

Schiffbrüchige? Ge­fangene? Spielfiguren? In jedem Fall Identitätslose, die erst zu eigenem Leben erwachen, als sie sich ihr Kostüm überziehen.

Karin Neuhäuser potenziert in ihrer farbenprächtigen (selbst das Säufertrio kotzt mehrfarbig), derb-komischen Inszenierung von «Was ihr wollt» den Hang zur Selbst–inszenierung der verwirrt-verliebten Figuren. Während bei Shakespeare der Geschlechter-tausch der schiffbrü­chigen Viola die Liebeswirrungen auslöst, setzt sich hier jeder permanent für sein imaginiertes Gegenüber in Szene – sich selbst wie den an­deren dabei gnadenlos verkennend. Die bunte Gruppe der sich manisch selbst entwerfenden Narzissten trifft den modernen Menschen ...

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Theater heute Dezember 2011
Rubrik: CHRONIK, Seite 50
von Natalie Bloch

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