Natur und Avantgarde

Martin Kusej eröffnet seine Intendanz im Münchner Residenztheater großbürgerlich mit Schnitzlers «Das weite Land» und bittet Frank Castorf zum Skandal mit Horváths «Kasimir und Karoline»

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Wer mit Schnitzlers «Das weite Land» von 1911 seine Intendanz eröffnet, muss einen guten Grund haben.

Sucht Martin Kusej in München ein bisschen Seelengetümmel aus dem Sommerleben saturierter Wiener Bürger der Gründerzeit? Eine Portion Beobachtungspsychologie aus dem gerade noch vorfreudianischen Zeitalter? Ein halbes Dutzend melancholische Kaffeehaus-Sottisen unter untreuen Ehemännern?
Einen Blick zurück auf alte Zeiten, als das Leben noch übersichtlich und das einzige Problem die Wahl zwischen zwei Liebhaber(inne)n war?

Regiekollege Alvis Hermanis hat das Stück am Heimspielplatz Wien zuletzt gründlich ferngerückt in eine malerische Schwarz/Weiß-Hollywoodkulisse aus den 30er Jahren und war eine Antwort eloquent schuldig geblieben (siehe TH 11/11). Sein Genrezitat hat die Figuren in eine melodramatische Form gepinselt und gleichzeitig im Filmmuseum abgelegt. Eleganter kann man sich Schnitzlers Männerfantasien nicht entledigen, wenn man einen Regieauftrag übernommen hat, aber weder dem Personal noch seinen Problemen viel zutraut.

Dabei ist Friedrich Hofreiter ein Mann des Fortschritts in doppelter Hinsicht. Beruflich steht der expandierende Wiener Glühbirnen-Fabrikant an der ...

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Theater heute Dezember 2011
Rubrik: STARTS/AUFFÜHRUNGEN, Seite 6
von Franz Wille

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