Loops & electronic witches
Es ist ja eigentlich eine recht offensichtliche Tatsache, dass das kapitalistische System mit autonomen Heilerinnen, Magierinnen und Hexen ein Problem hat. Dazu reicht eine kurze (etwas zugespitzte, sorry – not sorry) statistische Hypothese: Statistisch betrachtet arbeiten nämlich vor allem heillos unterbezahlte Frauen in den frisch entdeckten relevanten Lieblingsjobs dieses Systems, und zwar in den Heil- und Pflegeberufen mit bis zu 80 Prozent. Statistisch betrachtet (und etwas zugespitzt, sorry – not sorry) haben also vor allem Männer von ihren Balkonen bzw.
Vorstandsetagen heruntergeklatscht, deren Systemirrelevanz plötzlich ähnlich offensichtlich wurde wie die der darstellenden Künste. Nur dass die systemirrelevanten Johns in den Vorstandsetagen natürlich am Jahresende Dividenden ausgeschüttet bekommen, während ein Großteil der darstellenden Künstler*innen nicht so genau weiß, ob Haftstrafen auf sie warten, wenn sie die Soforthilfen in Anspruch nehmen, um davon ihre Mieten zu bezahlen.
Die einen waschen sich also verzweifelt ihre unterbezahlten Hände mit den letzten Resten Desinfektionsmittel nach einer Intubation an einem hochinfektiösen Körper, die anderen klatschen in ...
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Theater heute August/September 2020
Rubrik: Lektüresommer, Seite 48
von Thomas Köck
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Karin Winkelsesser Herr Friedrich, Ihr Entwurf für die Erweiterung des Theaterhauses Stuttgart nimmt sich geradezu bescheiden aus. 2018 hat Ihr Büro die Machbarkeitsstudie für die Sanierung der Städtischen Bühnen in Frankfurt vorgelegt und einen Bedarf von 900 Millionen Euro ermittelt. Ein Neubau wäre wohl sehr viel preiswerter. Sie bemängeln immer wieder die...
Zynisch. Vor etwas über einem Jahr verabschiedeten sich Gob Squad mit «I Love You, Goodbye (The digital detox edition)» symbolisch vom Internet, ließen das Publikum im Düsseldorfer FFT eine Nacht lang spüren, wie es ist, auf ständige Erreichbarkeit zu verzichten, auf Internet, Handy und Apps. Erkenntnis: Es ist durchaus eine Herausforderung, Gemeinschaft auf...
