Locked in forever
Die Wege eines Theaterstücks sind manchmal verschlungen. In diesem Fall führt der Umstand, dass die in München lebende israelische Regisseurin Sapir Heller sowohl bereits am Landestheater Schwaben als auch ein Stück von Maya Arad Yasur inszeniert hat (2018 die DE von «Amsterdam» am Münchner Volkstheater) folgerichtig dazu, dass das neue Stück der gefragten israelischen Dramatikerin seine Uraufführung im tiefsten Allgäu erlebte.
Das passt insofern gut, als dass «Blaue Stille» tatsächlich überall spielen könnte.
Die beiden Protagonisten – Sie (Agnes Decker) und Er (Jens Schnarre) –, die sich da in einer Art Escape Room begegnen, wissen jedenfalls nicht, wo sie sich befinden, und können sich noch nicht einmal erinnern, wer sie sind und ob sie überhaupt etwas miteinander zu tun haben. Valentina Pino Reyes (Bühne und Kostüm) hat für dieses bizarre Blinddate die Drehbühne in Drittel aufgeteilt, ins erste Tortenstück ein schlichtes, klinisch weißes Interieur gebaut – mit jeweils zwei Klinken innen an den beiden Türen – und auch die Eingeschlossenen in blütenweiße Wäsche und Silberperücken gesteckt.
Wenn sie sich mittels abstruser Codes nach und nach in weitere Segmente vorarbeiten, ...
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Theater heute Februar 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 53
von Silvia Stammen
Wolfgang Schuch verdanke ich seit langem schon sehr viel. Sein Verlust berührt mich tief, insbesondere weil er einer der ersten Theaterleute außerhalb Kataloniens war, der sich für unsere Dramatik interessierte, sie verstand und wertschätzte. Was gleichermaßen auch für unsere Sprache gilt, für unsere ganze Art, zu sein und zu handeln, für die katalanische Kultur....
Wenn einer in die Eckkneipe wankt und lauthals «Ich bin nicht Hamlet!» nölt, dann wird es sich der Wirt zweimal überlegen, ob er ihm noch einen Schnaps gibt oder nicht. In der «Wartburg» in Jena aber schiebt Rolfe hinter der Theke gleich das Bier hin, und die Stammgäste warten nur darauf, dass der Monolog nun anhebt. Ob der von Heiner Müller ist oder sonstwem,...
Schon im Vorwort dräut es ganz gewaltig. Marc Grandmontagne, Geschäftsführer des Deutschen Bühnenvereins, eröffnet die gerade erschienene neue Theaterstatistik 2018/19 mit stolz-steifen, wenn auch unheilschwangeren Sätzen: Man halte «ein Dokument in Händen, das vermutlich das letzte Mal in gewohnten Fahrwassern eine Entwicklung fortschreibt, die als kontinuierlich...
