Locked in forever
Die Wege eines Theaterstücks sind manchmal verschlungen. In diesem Fall führt der Umstand, dass die in München lebende israelische Regisseurin Sapir Heller sowohl bereits am Landestheater Schwaben als auch ein Stück von Maya Arad Yasur inszeniert hat (2018 die DE von «Amsterdam» am Münchner Volkstheater) folgerichtig dazu, dass das neue Stück der gefragten israelischen Dramatikerin seine Uraufführung im tiefsten Allgäu erlebte.
Das passt insofern gut, als dass «Blaue Stille» tatsächlich überall spielen könnte.
Die beiden Protagonisten – Sie (Agnes Decker) und Er (Jens Schnarre) –, die sich da in einer Art Escape Room begegnen, wissen jedenfalls nicht, wo sie sich befinden, und können sich noch nicht einmal erinnern, wer sie sind und ob sie überhaupt etwas miteinander zu tun haben. Valentina Pino Reyes (Bühne und Kostüm) hat für dieses bizarre Blinddate die Drehbühne in Drittel aufgeteilt, ins erste Tortenstück ein schlichtes, klinisch weißes Interieur gebaut – mit jeweils zwei Klinken innen an den beiden Türen – und auch die Eingeschlossenen in blütenweiße Wäsche und Silberperücken gesteckt.
Wenn sie sich mittels abstruser Codes nach und nach in weitere Segmente vorarbeiten, ...
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Theater heute Februar 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 53
von Silvia Stammen
Wer Jutta Lampes Mascha in Tschechows «Drei Schwestern» 1984 an der Berliner Schaubühne gesehen hat, wird den Abschied von ihrem nicht mehr heimlichen Geliebten, dem Oberstleutnant Werschinin, kaum vergessen: Wie sie sich, alle Façon von Form und Inszenierung über Bord werfend, Otto Sander an den Hals klammerte, schrie, von den zwei Schwestern mehrfach mit aller...
Ich habe es nie verstanden, als sie einmal zu mir sagte, sie wolle nie wieder das Land betreten, in dem sie geboren wurde. Es wollte mir einfach nicht in den Kopf. Ich wusste nicht, ob es schlicht eine Flucht war, ob es ums Überleben ging, oder ob es nur der Versuch war, einen Schlussstrich zu ziehen. Oder machte es am Ende doch Sinn, nie wieder nach Hause...
Schon im Vorwort dräut es ganz gewaltig. Marc Grandmontagne, Geschäftsführer des Deutschen Bühnenvereins, eröffnet die gerade erschienene neue Theaterstatistik 2018/19 mit stolz-steifen, wenn auch unheilschwangeren Sätzen: Man halte «ein Dokument in Händen, das vermutlich das letzte Mal in gewohnten Fahrwassern eine Entwicklung fortschreibt, die als kontinuierlich...
