Von Nerven und Nervösen
Eine Handvoll Orthopädie-Patienten schlurft auf die Bühne des Kleinen Hauses im Staatsschauspiel Dresden. Der zweckorientierten Sportkleidung nach zu urteilen, die die Truppe unter ihren Beinschienen, Kniemanschetten und Halskrausen trägt, ist sie auf dem Weg zur Krankengymnastik. Die erste Übung: kollektives Zittern im Kreis. Man schlägt sich wacker. Auch in der Aufbauphase, wenn sich das lässige Schlackern zu einer Art Erschütterungschoreografie mit Dringlichkeitscharakter steigert, hat der Coach keinen Grund zur Klage.
Wer eine schlüssige Erklärung für dieses körpertherapeutische Treiben sucht, findet sie im Programmheft: Das L-förmig um die Bühne gruppierte Publikum wohnt einer Reha-Maßnahme für Erdbebenopfer bei, «die noch einmal erinnern, wiederholen und ausagieren, was ihnen widerfahren ist». Der Gesundheitsminister hätte seine helle Freude: Eine knapp hundertminütige Therapie-Einheit lang müssen in Natascha von Steigers
Styropor-Bühnenlandschaft Requisiten zersprungen, Kontaktimprovisationen angebahnt, Sasha-Waltz-Elegien recycelt, Kopfstände in die Deko geklemmt und schließlich ein an Adam und Eva gemahnendes Darstellerpaar, das sich als Heinrich von Kleist und Henriette ...
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Theater heute April 2011
Rubrik: Aufführungen, Seite 34
von Christine Wahl
Duzen Sie Ihren Chef? Herrscht bei Ihnen auch diese lockere Arbeitsatmosphäre mit offener Tür, Relaxzone und dem Zwang, mit irgendwem Mittagessen zu gehen? Und ist Ihnen
das auch manchmal unheimlich? Ein Arbeitsverhältnis, das angeblich auf Vertrauen basiert, aber letztlich nichts daran ändert, dass man Sie irgendwann kündigt, Ihr Chef aber nur abgefunden werden...
Man muss die vier Schauspieler, vor allem Klaus Brömmelmeier als Lenglumé, dafür bewundern, wie präzis und atemlos flott das alles vonstatten geht, dieser unendliche Unsinn. Wie satt und sauber da jedes Wort sitzt, wie dicht da eins ins andere fällt, genauso wie das Wohnzimmer der Lenglumés zu Beginn, das nicht auf der Bühne (von Thilo Reuter) steht, sondern mit...
Und es existiert doch, das Nachspiel. Das Deutsche Theater ist sich nicht zu fein, Nis-Momme Stockmanns in Frankfurt uraufgeführtes Vater-Sohn-Drama «Die Hässlichen und die Brutalen» David Bösch anzuvertrauen. Noch tiefer gräbt Stephan Kimmig am DT, der Judith Herzbergs Stücke «Leas Hochzeit» (1982), «Heftgarn» (1995) und «Simon» (2002) zu einer jüdischen...
