Leser schreiben
Sehr geehrter Herr Detje,
wenn ich wirklich der Auftragskiller unserer Wahrnehmungsfähigkeit bin, dann sind Sie mir offensichtlich durch die Lappen gegangen. Ihre Wahrnehmungsfähigkeit scheint mir nicht nur intakt, sondern sogar aufs höchste, beinahe neurotische zugespitzt. Ihren ultraverfeinerten Wahrnehmungsorganen haben Sie Nuancen abgerungen, die außer Ihnen noch niemand aufgespürt hat.
Friedhofsblumenduft? Gesichtsmuskeln, die Deutschland dienen wollen? Wahnsinn, wie mache ich das bloß?
Dabei dachte ich immer, seit ich als Schüler in «Unsere kleine Stadt» jämmerlich versagt habe, das Theater sei sicher nicht mein Ding. Und jetzt gebe ich offenbar überzeugend den Gefühlsparasiten. Und schreibe sogar noch die Texte für meine Aufführung selbst, bin nämlich nicht nur Schauspieler, sondern auch noch Dichter unseres allabendlichen Nachrichtendramoletts!
Fast wäre ich stolz, wenn ich nicht das Gefühl hätte, dass Ihr schöner Text weit mehr mit Ihnen als mit mir und meiner Arbeit zu tun hat. Wenn es Sie interessiert, können wir uns ja einmal ernsthaft über Nachrichteninhalt und Nachrichtenpräsentation unterhalten.
Was Sie abstößt, weiß ich ja nun – vielleicht legen Sie mir dar, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Stuttgart hat eine beneidenswerte Mitte, mit Neuem Schloss, Landtag, Oper, Schauspielhaus, Württembergischem Kunstverein und neuerdings dem Glaskubus des Kunstmuseums, alles im oder am Schlosspark, mit flachem See, viel Rasen, im Sommer dicht bevölkert. Während «Theater der Welt» ist auch der See bevölkert, bestückt mit einem Steg, auf dem Steg eine Bar,...
Wer zur Begrüßung auf Blütenkränze und Hula-Mädchen gehofft hatte, wurde enttäuscht. Stattdessen hat sich ein finsteres Empfangskomitee vor der Bühne des Stuttgarter Theaterhauses aufgebaut. Gut ein Dutzend streng dreinschauende Polynesier in Smoking und Abendkleid fixieren zehn Minuten lang das Publikum, so als wolle man gleich einmal klarstellen, dass...
Auch wenn es für derartige Prognosen vielleicht noch etwas früh ist, Sarah Kanes schmales Werk dürfte aller Voraussicht nach zu dem Wenigen gehören, was von der Dramatik der neunziger Jahre bleiben wird – eine Entwicklung, die es mit sich bringt, dass die fünf Stücke, die zum Zeitpunkt ihrer Entstehung wie explosives Gefahrengut in der schmuddelbunten Welle der...
