Ideal und Sichel
Die Leningrad Cowboys sind die Band, die uns seit Jahren daran erinnert, dass es in Russland, wo die Leute immer etwas zu schwermütig sind und zu viel trinken, eigentlich ganz schrill ist. «Those Were The Days My Friend» rocken die Ironiebolzen eingangs aus den Lautsprechern, und dazu tanzen auf einer mit Champagnerflaschen dekorierten Tafel die drei Schwestern Olga, Mascha und Irina. Schnell aber reißt mit der Musik auch ihre Party ab, und alles mutet grauer an als eben vorgegaukelt.
Unmerklich wie die Erdkugel auf ihrer teilnahmslosen Bahn dreht sich die bis auf die Essenstafel und ein paar Stühle leere Bühne von Gabriele Trinczek. Aus den Lautsprechern klingt monoton Vogelgezwitscher. Hauchzart steht auf der weißen Rückwand ein leeres Koordinatensystem. Die Provinz, wo man sich befindet, und Moskau, wohin die Sehnsucht drängt, sind gleichermaßen überall und nirgends. Die Seele baumelt im Ungefähren. Nur aus den altbackenen Kostümen der Schwestern, den Uniformen ihrer Gäste vom Militär und aus ein paar einschlägigen Gesängen weht der Duft echt russischer Tristesse.
Dass diese depressive, gemütsverhangene Fremde nach schrulligen Einfällen schreit, hat die Inszenierung wohl ...
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