Leistungsfähig, aber lebensunfähig

Sibylle Baschung über Felicia Zeller «X-Freunde»

Felicia Zellers neuer Text führt unmittelbar in den ganz normalen Wahnsinn der gegenwärtigen, immer schneller werdenden Arbeitswelt und beschreibt dabei bestimmte Formen von Normalität, wie sie sich in unserer modernen Gesellschaft zunehmend etablieren: Normal ist, dass man sich fast ausschließlich nach Menge und Qualität geleisteter Arbeit beurteilt. Normal ist, dass man sich in seiner Arbeit selbst verwirklicht. Normal ist, dass man sich uneingeschränkt mit ihr identifiziert.

Normal ist, dass zwischen Arbeit und Freizeit kaum mehr unterschieden wird – Arbeit ist nicht mehr das halbe, sondern das ganze Leben. Das ursprüngliche Privatleben weicht der permanenten beruflichen Verfügbarkeit, und der will man nicht im Weg stehen. Die Kontrolle von außen ist enorm, und trotzdem soll jene Selbstaufgabe als Freiheit begriffen werden. Eine clevere Finte der gegenwärtigen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, die Menschen mit Haut und Haar im kapitalistischen Verwertungszusammenhang aufgehen lässt. Enthusiastisch, engagiert, kreativ, leistungsorientiert – auch leidend, aber das gehört dazu.

So auch für Managerin Anne, Bildhauer Peter und Koch Holger, drei Freunde auf dem Höhepunkt ihrer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2012
Rubrik: Die neuen Stücke der Spielzeit, Seite 171
von Sibylle Baschung

Weitere Beiträge
Angriffe auf A

Drei Personen, der Autor des Stückes nennt sie modellhaft A, B und C, wollen «eine ganz normale Geschichte erzählen». Eine Geschichte von A, vom normalen Leben, von normalen Problemen, von Familie, Job und Ich.

Doch ihre Spielanordnung läuft aus dem Ruder. A sieht sich plötzlich aus allen Richtungen angegriffen. Nach zehn Seiten müssen die Spieler erst­mals...

Kreativkatastrophen und andere Höhepunkte

Was für großartige Gestrigkeiten: Elf bieder-korrekte Anzugmänner und Kostümfrauen, ganz Schlips und Bügelfalte mit grauem Hut, tauchen aus den Tiefen der 60er Jahre, weit entfernt von jeder Eleganz, Uniformträger einer untergegan­genen Angestelltenkultur aus dem Geist der Vollbeschäftigung, als noch kein Mensch übertrieben originell oder kreativ sein wollte,...

Spurlos

Anne Nather ist eine junge Autorin, die keine Angst vor Geschichten hat. Menschen finden sich in plötzlich veränderten Situationen wieder und begegnen sich und ihrer Umwelt unter neuen Vorzeichen. Meist ragen Krankheit, Unfälle oder Tod in ihre Texte hinein, die zu dem Versuch zwingen, sich dem Leben in all seinen Widrigkeiten zu stellen.

«Das Weiß an den Rändern...