Kunst als Ausrede für alles

Eine Kolumne von Anna Volkland

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Es existieren ganze Bibliotheken mit schönen, klugen Sätzen darüber, was die darstellenden, performativen Künste uns sein könn(t)en, und es gibt weitere mit Analysen dazu, wie es unter den Bedingungen kapitalistischer Aneignung aller Werte zur Ware in der Regel bei den schönen, klugen Sätzen bleibt und auch diese Künste eben doch Zwecken dienen, für die die Künstler:innen nie angetreten waren.

Interessant ist aber, in welchen Momenten – ungeachtet all der (konservativen) Fallstricke rund um die Idee, sich explizit für Kunst als ein eigenständiges Phänomen zu interessieren – die Forderung nach ‹Theater mit Kunstanspruch› besonders dringlich zu werden scheint und wogegen sich die so Fordernden zu wehren versuchen. Mit Blick auf das «Responsibility»-Programm des zurückliegenden Berliner Theatertreffens und die teils empörten Reaktionen der professionellen Kritiker:innen erscheint «Kunst» durchaus als Kampfbegriff: Als «mehr oder weniger martialische, relativ kunstferne Gesinnungsdemonstrationen» bezeichnete etwa Peter Laudenbach das «verantwortungsvoll» gedachte neue Rahmenprogramm mit Arbeiten zum Krieg in der Ukraine, Kollegin Barbara Behrendt befand, es sei «oft von einem ...

Anna Volkland studierte Dramaturgie und Tanzwissenschaft und arbeitet(e) als Dramaturgin für Tanz und Theater, schreibt für Fachmagazine und unterrichtet u.a. erweiterte Aufführungsanalyse und Theatergeschichte. 2014 bis 2020 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität der Künste Berlin, wo sie zu Demokratisierungsversuchen und Institutionskritik im Stadttheater der früheren BRD und DDR zu forschen begann.

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Theater heute Juli 2023
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Anna Volkland

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