Kulturpolitik: Kölner Intendanz-Karneval
Am Ende ist doch immer wieder erstaunlich, wie viel kulturpolitisches Vertrauensporzellan in kurzer Zeit von entschlossenen Akteur*innen zerschlagen werden kann. Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker hatte im Einvernehmen mit der örtlichen Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach und beraten vom pensionierten Bühnenvereinsdirektor Rolf Bolwin einen echten Überraschungscoup gelandet.
Als neuer Intendant des Kölner Schauspiels wurde in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz Carl Philip von Maldeghem stolz präsentiert, der über Salzburg hinaus weitgehend unbekannte und künstlerisch unauffällige Chef des dortigen Landestheaters. Er wurde den Kölnern, die vor ihm mit Karin Beier und jetzt mit Stefan Bachmann überregional profiliertes und umworbenes Personal gewohnt waren, mit einem bunten Strauß an Phrasen («innovativer Regisseur», «internationale Kontakte», «kreative Allianzen») empfohlen, die in der umwerfenden Erkenntnis gipfelten, dass das Theater den Menschen gehöre.
Die erste Überraschung bei Presse und Öffentlichkeit schlug bald in offene Empörung über eine unverständliche Entscheidung um. Spätestens als der Kölner Autor Navid Kermani eine «Demütigung» für ...
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Theater heute März 2019
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Franz Wille
Während im neuen Jahr London seine Premieren im gewohnten Rhythmus ausspuckt, wird kein britischer Theatermensch bestreiten, dass das absurdeste Stück zur Zeit in Westminster spielt. Man sieht perplex auf die Parlament-Politfarce – die Londoner, die ja als Insel auf der Insel klar für «Remain» gestimmt hatten, vielleicht mit besonderer Galle. Und da Mrs. May die...
Lasst mich in Ruhe» – das waren bekanntlich Brechts letzte Worte, bevor er am 14. August 1956 58-jährig für immer die Augen schloss. Es ist ausgerechnet Barbara Brecht-Schall, die diese Worte in die Kamera spricht, Brechts Tochter und Gralshüterin, die im Verbieten von allem, was mit dem heiligen Vater zu tun hat, normalerweise schnell zur Stelle war. Ob sie...
«unsere väter lebten angenehm. sie hatten rinder und feldfrüchte;
sie hatten salzsümpfe und bananenbäume.
plötzlich sahen sie ein großes schiff aus dem ozean emporsteigen.
dieses schiff hatte vollständig weiße flügel, die wie klingen funkelten.
weiße männer kamen aus dem wasser und sprachen worte, die niemand verstand.
unsere vorfahren ergriff die furcht; sie sagten,...
