Versuche mit Brecht
Je finsterer die Zeiten, desto lichter wurde Brechts Schreiben. In der Frühphase der Weimarer Republik gab’s diese expressionistisch hochfahrende Antibürgerlichkeit mit «Baal», da schlugen Nietzsche und Marx wie zwei Herzen in der Brechtschen Brust hart gegeneinander. Es folgten vielstimmige Großstadtbegegnungen und die Reflexe auf den stalinistischen Terror in den Lehrstücken, ehe Brecht nach 1933 ins Exil floh und sich zum Klassiker des epischen Theaters vervollkommnete.
Aus dieser Zeit stammen die Gaunerparabel «Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui» und Brechts langjährige Beschäftigung mit dem «Leben des Galilei». Und der Schrecken, der die Stücke umgibt, wirkt seltsam abgefedert: Der humoreske Blick auf die Machtergreifung des NS-Regimes im «Arturo Ui» hat noch keine Kenntnis des Holocaust. Der «Galilei» weiß zwar um Hiroshima, nimmt die apokalyptische Drohung aber eher als vagen Horizont für die ethische Selbstbefragung der Wissenschaft, die das Stück ins Gewand des historischen Biopics einkleidet. In dieser Weise geläutert sind beide Werke Schulbuchklassiker geworden, und es braucht wohl einige Anstrengung, sie aus der Lehrplankonformität herauszureißen und sie dem ...
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Theater heute März 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 8
von Christian Rakow
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Vermutlich wäre er heute ein pickeliger Gamer, der seine Heldentaten bei «World of Warcraft» filmt, kommentiert und auf YouTube hochlädt. Auch Troll- und Piraten-FunPics auf Snapchat und Instagram könnten ihm bei der Verbreitung seiner fantastischen Hochstapler-Storys helfen. Keine Frage: Das Hobby des jungen Peer Gynt, sich eine aufregendere Identität auszumalen...
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