Kultur als Kampfzone autoritärer Identitätsbildung
Wie ein Schatten begleiten Kulturkämpfe die Moderne, um das Feld zu besetzen, das Aufklärung und demokratische Revolutionen geöffnet haben. Sie dringen in Zonen ein, in denen immer wieder Kontroversen um Konzepte des guten Lebens, demokratische Selbstbestimmung und kollektive Identität aufbrechen. Im 19. Jahrhundert meldet sich der Begriff «Kulturkampf» zunächst in den Auseinandersetzungen zwischen Staat und katholischer Kirche zu Wort.
In mehreren Staaten Europas, wie etwa in Preußen/Deutschland und der Schweiz, und Südamerikas, zum Beispiel Mexiko, beschreibt er Versuche, das Verhältnis von Staat und (katholischer) Kirche oder auch von Katholizismus und Liberalismus neu zu justieren (Winkler 2000: 222; BpB 2015).
Im 20. Jahrhundert lösen sich die Kämpfe aus dieser Konfliktkonstellation, verallgemeinern sich und werden angetrieben von Fragen wie: Welche Lebensform ist legitim? Welche Moralvorstellungen sollen Vorrang haben? Wer darf wen repräsentieren? Und, vor allem, welche Identität «gilt» kollektiv als legitim, und welche Personen sind mit welchen Eigenschaften, etwa der Abstammung, der Gruppe oder dem «Volk» zuzu -rechnen? Dementsprechend entwickeln sich Kulturkämpfe ...
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Theater heute November 2025
Rubrik: Essay, Seite 50
von Günter Frankenberg, Wilhelm Heitmeyer und Marion Tiedtke
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Ursula Gärtner ist eingesprungen. Eigentlich hatte es um ihren Sohn Alex gehen sollen in diesem Stück. Doch nun steht Gärtner selbst auf der Bühne, in Bluejeans und schwarz-rot gemusterter Bluse, und erzählt ihre Geschichte mit großer Präsenz und Selbstverständlichkeit. Dabei schwingt ihre Zweitbesetzung den ganzen Abend mit, doch nicht wie ein Surrogat, sondern:...
