Verzockte Welt
Der Mensch als Zocker. Und der Mensch in einer Welt, die sich längst verzockt hat. Die Gesellschaftsanalyse, die das Schauspielhaus Bochum in konzentrierter Form zur Saisoneröffnung präsentiert, ist so trübe wie schonungslos. Der Intendant selbst inszeniert Dostojewskijs Roman «Spieler», bei dem er den Artikel im Titel weglässt, weil hier doch längst nicht nur der Ich-Erzähler der Sucht verfallen ist und eigensinnig jede Zukunft riskiert (mit einer «Spieler»-Adaption unter dem Titel «Zocker» war Johan Simons an der Castorf-Volksbühne 2004 noch durchgefallen).
Jetzt wird das Spieler-Sein für Simons zur bitteren Charakterbeschreibung einer ganzen Gesellschaft. Ihr Boden: eine rotierende Scheibe, komplett weiß, weil es neben Gewinnen und Verlieren kaum mehr Zwischentöne gibt, und ständig in Bewegung, weil Stillstand in Roulettenburg nicht vorgesehen ist.
Roulettenburg – so nennt Dostojewskij seine fiktive deutsche Stadt, die Bad Homburg, vielleicht auch Wiesbaden oder Baden-Baden meinen könnte, wo der Autor selbst der Spielsucht verfallen war. Damals, 1866, schrieb er seinen autobiografisch inspirierten Roman im Rekordtempo unter den Bedingungen eines ausbeuterischen Vertrags. Schon ...
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Theater heute November 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Sarah Heppekausen
Kay Voges’ Intendanz in Köln beginnt mit – Schweigen. Seine erste Kölner Inszenierung «Imagine» ist ein wortloses Wimmelbild, eine sprachlose Überfülle von Bildern. Der Dialog ist auf dem Rückzug: Die erste Premiere noch vor Spielzeitbeginn war ein Monolog «Geheimplan gegen Deutschland – ein Nachspiel» von Andreas Beck. Auf «Imagine» folgten Claude De Demos...
Schon länger liegen die Schokoladenweihnachtsmänner und Lebkuchenherzen in den Discountern aus, um die dunkle Jahreszeit zu versüßen und den Advent anzukündigen. Während Regen, Wolken und Kälte unsereinem das Gemüt zu verhängen drohen, sind es, wie jedes Jahr, ca. zweihundert Schauspielabsolvierende aller staatlich geförderten Ausbildungsinstitute aus Deutschland,...
Rechts ein Militärbunker, links ein Hochspannungsmast, und dazwischen – spie -gelverkehrt – der angerostete Schriftzug «Europe». Das riesige schwarze waste land, das sich davor in Richtung Rampe auftut, erinnert optisch an verbrannte Erde und beschaffenheitstechnisch an ein Bällebad zur Kinderbespaßung. Das sind sie also, die Reste des großen Vergnügungsparks...
