Einfach kosmopolitan!
Theater heute Marina Davydova, wann mussten Sie Russland verlassen?
Marina Davydova Ich habe am 24. Februar 2022 eine Petition gegen den am Vortag begonnenen Krieg gegen die Ukraine unterschrieben, die auch von Hunderten anderer russischer Theaterleute gezeichnet war – das war mein Problem. Am 1. März wurde meine Wohnungstür mit einem «Z» markiert, das Zeichen, dass ich gehen muss, weil sonst etwas passiert. Es war da schon nicht mehr möglich, Flugtickets nach Westeuropa zu kaufen.
Ich bin dann zuerst mit dem Auto ins Ausland geflohen, Leute von einer europäischen Botschaft haben mir geholfen. Mein Sohn war etwas schlauer als ich, er hat gleich am 24. Februar ein Ticket nach Bulgarien gebucht und ist morgens am 25. nach Sofia geflogen. Ein paar Stunden danach hat Bulgarien seinen Luftraum geschlossen. Im Gegensatz zu mir war er auch ein politischer Aktivist; ich bin nur meinem Beruf nachgegangen als Theaterkritikerin, Dozentin, Regisseurin und Kuratorin. Natürlich habe ich auch Statements abgegeben, aber er war wirklich ein politischer Aktivist.
TH Was ist dann passiert?
Davydova Danach begann eine Odyssee. Ich hatte keine Ahnung, wohin ich gehen sollte. Ein Freund vom ...
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Theater heute November 2025
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Eva Behrendt und Franz Wille
Zu Beginn des zweiten Aktes rammelt Peer eine Schaufensterpuppe. Von allen Seiten – oben, unten, seitlich, sitzend, liegend, stehend, schließlich im Bühnengebirge talabwärts rutschend –, immer im selben soundverstärkten Stakkato-Rhythmus, in den eine hochgepitchte Frauenstimme unablässig «Peer!» ruft. Maschinell freudlos ist diese minutenlang hämmernde Penetration,...
Wie ein Schatten begleiten Kulturkämpfe die Moderne, um das Feld zu besetzen, das Aufklärung und demokratische Revolutionen geöffnet haben. Sie dringen in Zonen ein, in denen immer wieder Kontroversen um Konzepte des guten Lebens, demokratische Selbstbestimmung und kollektive Identität aufbrechen. Im 19. Jahrhundert meldet sich der Begriff «Kulturkampf» zunächst in...
Zugegeben: Nach gefühlt drei Jahren Kafka-Festspielen rund um das 100. Todesjahr des großen Autors des 20. Jahrhunderts ist die Kritikerin schon etwas ermattet. Gerade «Der Prozess», der nun auch in Barrie Koskys Musiktheaterabend «K.» die erzählerische Grundlage bildet, wurde zuletzt von Berlin bis Basel immer wieder neu erzählt: Offenbar trifft das um 1914/15...
