Krähwinkel erwacht

Das Bamberger E.T.A.-Hoffmann-Theater wagt unter Sibylle Broll-Pape einen Neuanfang

Es war einmal in Bamberg. Da regierte ein Intendant sage und schreibe ein Vierteljahrhundert in einem Stadttheater. Ununterbrochen. Unangefochten. Als dieser Rainer Lewandowski 2015 dann tatsächlich aufhörte, wollte niemand so recht daran glauben. Man hatte sich in dem fränkischen, kulturerblich schwer und wunderschön belasteten Städtchen mit seiner einzigartigen Atmosphäre aus Katholizismus und Fachwerk und Bier so an diesen Theatermacher gewöhnt, dass man meinte, sein Ausscheiden würde natürlicherweise auch die Schließung des ganzen Hauses nach sich ziehen.


Als Lewandowski den Laden Ende der 80er Jahre übernommen hatte, sah er noch so aus wie zu der Zeit, in der der Dichter und Komponist E.T.A. Hoffmann dort einigermaßen glücklos agierte (man wollte ihn nicht als Kapellmeister haben). Verbaut und verwinkelt, technisch museal, mit den Jahren heruntergekommen und unzulänglich für die Mitarbeiter wie für das Publikum. Der Intendant aber haute gleich auf die Pauke, agierte taktisch, nicht ohne Drohungen – und bewegte den Stadtrat dazu, eine komplette Restaurierung plus angegliedertem Neubau zu finanzieren und zu realisieren. Und so hatte Bamberg dann auf einmal ein perfekt das ...

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Theater heute März 2017
Rubrik: Start Bamberg, Seite 48
von Bernd Noack

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