Kopflos in die Nacht
Wie sähe eine Welt aus, in der wir den multiplen Krisen durch allabendlichen kollektiven Rausch zu entkommen versuchen? Eine Welt, in der Alkohol, Drogen, Stroboskoplicht und Techno-Beats uns für ein paar Stunden vergessen lassen, was draußen lauert, wenn der Kater einsetzt. Diese Versuchsanordnung verhandelt Ferdinand Schmalz in seinem neuen Stück «bumm tschak oder der letzte henker».
Im Zentrum steht Josef, der gutmütige, melancholische Besitzer des angesagten Clubs «Das Schafott».
Jeden Abend wird hier am Höhe -punkt der Nacht eine Melone unter die Guillo -tine gelegt und vom Fallbeil zerteilt. Das Partyvolk labt sich anschließend am Fruchtfleisch. Doch das ist längst nicht die einzige Attraktion: Die Soundanlage ist legendär, gebaut von einem Toningenieur, der einst für die Regierung arbeitete. Gefangene sollen mit seinen akustischen Experimenten gefoltert worden sein, ein perfides Spiel mit unhörbaren Frequenzen. Der Legende nach, die sich die Feierwütigen erzählen, wollte er mit dem Bau der Anlage Buße tun – man fand ihn eines Morgens blutüberströmt daneben. Zum Personal gehören neben Josef auch die strenge Tür, die an Berghain-Türsteher Sven Marquardt erinnert und ...
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Theater heute Jahrbuch 2025
Rubrik: Neue Stücke, Seite 161
von Lea Goebel
Sibylle Berg gehört zu den meistgelesenen deutschsprachigen Autor:innen der Gegenwart. Ihre Stücke laufen an zahlreichen Stadttheatern, ihre Romane stehen regelmäßig auf den Bestsellerlisten. Sie wurde vielfach ausgezeichnet. Neben ihrer literarischen Arbeit engagiert sie sich zunehmend politisch. Sie ist für Die PARTEI tätig und seit 2024 Mitglied des Europäischen...
Wie ich mich bei Laune halte? Das Lachen vergeht einem angesichts der weltpolitischen Lage, aber auch der kleinen Themen, die oft noch näher sind. Und doch: Es gibt Momente, in denen es immer wieder gelingt – dieses merkwürdige, fragile Konstrukt namens «gute Laune» wenigstens für kurze Zeit aufrechtzuerhalten. Zum Beispiel beim Lachen. Oder beim Schwimmen.
Beides...
Die Bühne ist ein großes Schweigen» in Paula Kläys Stück «Gewölk». Es kann erst beginnen, wenn eine gewisse Zeit vergangen ist: «Tauben fliegen drei Mal um das Theater und dann weg.» Sind diese Tauben nur Tauben? Oder könnten es nicht doch auch Mavies Eltern sein, die, immer schweigend, zuletzt nickend, den Kopf vor- und zurückschiebend, auf einer Parkbank...
