Ein gefräßiges Monster

Thomas Köck «ki essen seele auf (ORPHEAI)»

Theater heute - Logo

ORPHEAI heißt die KI, die uns beobachtet, die uns liest, mitliest, uns analysiert und auswertet, die alles speichert, alle Daten und mehr und mehr Daten über uns – ein gefräßiges Monster, dass immer größer wird, das mit allen Daten, die es frisst, weiter wächst. Sie, die immer schon da ist, wo wir hinkommen, zu Hause, im Zug oder bei der Arbeit: «… das hier das dir beim surfen über die finger das in deinen daten wühlt das hier ist der künstliche gesang einer zukunft in der nicht mehr sicher ist ob ich das hier gesagt habe.

» Entwickelt wurde ORPHE -AI von einem Autor mit Namen Thomas Köck, so heißt es jedenfalls. «ki essen seele auf (OR -PHEAI)» ist der erste Text, der aus Sicht einer KI geschrieben wurde. Sie, die weibliche Stimme ORPHEAI, erzählt in mehreren Gesängen von den Abhängigkeiten zwischen Menschen und Technologie. Dabei ist ORPHEAI alles andere als unschuldig. Sie nutzt ihre Allwissenheit und ihre Macht aus, klaut und sammelt alles an Daten und Informationen, was sie kriegen kann.

Zentrales Thema im neuem Theatertext des österreichischen Dramatikers Thomas Köck, den er für das Schauspiel Stuttgart geschrieben hat, ist der Daten- und Überwachungskapitalismus. «ORPHEAI ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2025
Rubrik: Neue Stücke, Seite 158
von Gwendolyne Melchinger

Weitere Beiträge
Spiel und Sein

Ein Schauspieler spielt einen Schauspieler spielt einen Schauspieler. Darin steckt notwendigerweise – und mehr noch als sonst – die Reflexion über den eigenen Beruf: die Rolle als Identität, das Authentische als virtuoses Konstrukt oder umgekehrt, und immer spielt das doppelte Gesehen-werden-Wollen mit – bis man fast nicht mehr sieht, wo die Übergänge liegen. Bei...

Die Naturtrompete und ihre subtilen Töne

Eine königlich gedeckte Frühstückstafel. Die leckerste Frühstückstafel, die Sie sich vorstellen können.» Noëlle Haeseling leitet ihr Stück «Fanfaren!» mit dieser köstlichen Beschreibung der Bühne ein und gibt in den ersten Zeilen schon einen Vorgeschmack auf ein zartes Schauspiel mit bitterem Kern.

Eine Galerie – hier warten sie: Die erste, zweite, dritte und...

Ode an Rainald

Sommer, Stimmung, Umstand, Theater, heute, Text, Laune, jetzt: Gerade schreibe ich an meinem neuen Roman, das ist schon die Flucht nach vorn eigentlich, ganz klar, glaube ich, für mich, also: es ist für mich so: Das Schreiben ist politisch aufgeladen genug, kräftezehrend, im Zentrum eines Solarsystems, umkreist von einer wirren Irre, auch wenn Mensch händeringend...