Kleine Wolken, typische Scheiße

Ein Hörspiel-Pop-Album entdeckt den Universalkünstler Dieter Roth als Songwriter

Wenn Freunde und Weggefährten sich an ihn erinnern, dann sprechen sie voller Zärtlichkeit von einem Wüstling. Von einem, so klingt das manchmal, der längst verloren war, bevor sie ihn verloren haben. Der rabiat mit sich und mit anderen umsprang und dabei höchst empfindsam – und empfindlich – war.

Mit Dieter Roth, dem 1998 verstorbenen vielseitigen Künstler, Büchermacher und Autor, kann man sich nicht auseinandersetzen, ohne dass es persönlich wird.

Roth, der – immer unterwegs zwischen verschiedenen Wohnungen und Häusern in Island, Deutschland und der Schweiz – zeitlebens ein ruheloser Solitär blieb, aber mit vielen Aktions- und Performance-Künstlern der Fluxus-Bewegung eng befreundet war, hat – ohne daraus wie manche von ihnen ein Programm zu machen – Kunst und Leben aufs Engste miteinander verschränkt und sich selbst zu seinem sensibelsten Instrument gemacht.

«Ich habe sonst noch niemanden kennengelernt, der sich so bewusst war, in welcher Situation oder in welcher Stimmung er ist», sagt sein langjähriger Verleger Hansjörg Mayer. «Er hat damit experimentiert. Wenn er in einer Hochstimmung war, hat er ganz bestimmte Dinge gemacht, und auch aus seinen tiefen Depressionen hat er immer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2007
Rubrik: Medien/TV, Seite 65
von Frank Kaspar

Vergriffen
Weitere Beiträge
Fetisch bleibt Fetisch

Der Jud’ tut gut.» Dieser Satz klingt ein wenig seltsam in Nazideutschland, aber er fällt nun doch in einem Film, der von sich im Untertitel behauptet, «die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler» zu erzählen: «Mein Führer» von Dani Levy ist eine Komödie, unschwer zu erschließen aus der Tatsache, dass es Adolf Hitler selbst ist, der den Satz sagt. «Der Jud’...

Mit dem Ereignis auf du und du

Im Anfang war «Die Zeit». Was meint: Die Theaterfeuilletons des Benjamin Henrichs. Während der Lokalzeitungskritiker bei den Premieren des schwäbischen Stadttheaters damals, Anfang der Achtziger, dicht vor der Rampe lauerte und das Gesehene hinterher buchhalterisch mit Daumenrauf-Daumenrunter-Bemerkungen versah, war dort, im überregionalen Wochenblatt, einer, der –...

Zukunft, die es nie geben wird

Die Fische sind weg! Fünf dicke, weiß-rote Goldkarpfen, die in ihren vier gläsernen Wänden in einem Eck des Cafés Schaubühne sozusagen zum dekorativen Inventar gehörten und es als solche sogar auf das Cover eines Bildbandes über Bühnenbildner Jan Pappelbaum geschafft haben, sind verschwunden. Irgendetwas muss ihnen nicht bekommen sein an unserer Zeit. Jetzt...