Sinn im Überfluss

Goethe «Faust I»

Theater heute - Logo

Den Skandal gab es schon vor der Premiere. Das Dortmunder Theater warb für Thirza Brunckens «Faust»-Inszenierung mit einem Plakat, auf dem das Foto eines Mannes mit blutig geschlagenem Gesicht zu sehen war. Offensichtlich hatte ihn jemand mit Faustschlägen traktiert. Darüber prangte, wie über allen Dortmunder Theaterplakaten, der Spruch: «Willkommen in Dortmund».

So war die Premiere keine Überraschung mehr: Überdeutlich ist der Wille, dem prominentesten Paradestück der deutschen Theaterkultur neue Perspektiven abzugewinnen.

Mit allen der Regisseurin, dem Bühnenbildner und dem Dramaturgen zur Verfügung stehenden Mitteln, Texten, Materialien, Verweisen wird Goethe überhäuft, um zu prüfen, ob der Klassiker noch zurückschlägt. Christoph Ernst hat eine schräg verkantete Zwei-Zimmer-Wohnung mit Küche und Bad auf die Bühne gestellt, die angefüllt ist mit modernem Wohnungsgerät und alltäglichem Krimskrams, Krempel, Zeug, Abfall. Bücher, Küchengerät, Möbel, Schallplatten, Lebensmittel, Kleidungsstücke, Zeitungen, billiger Nippes – alles stapelt sich, wimmelt auf dem Boden, in den Ecken. So viel weiß man sofort: Faust ist ein Messie. Darüber prangt die Reproduktion einer Fotografie des ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2007
Rubrik: Chronik, Seite 39
von Gerhard Preußer

Vergriffen
Weitere Beiträge
Substanzen aller Art

Nicht, dass London ein verschärftes Alkoholproblem hätte. Seit die uralten englischen Lizenzgesetze letztes Jahr gelockert wurden und besonders in den Großstadtpubs der Ausschank nicht mehr gnadenlos um 23 Uhr endet, ist der einzige Unterschied, dass die Kleingruppen trunkener und taumelnder Angelsachsen nicht mehr alle wie auf Kommando auf die Straße stürmen,...

Der richtige Augenblick, bürgerlich zu werden?

Ja, «warum können wir nicht ein Leben lang Kinder bleiben?» Warum nicht einfach stehenbleiben im Zustand nicht der Unschuld, sondern der Ahnungslosigkeit, die von Vergänglichkeit noch nichts weiß und an die Auflösung in der Liebe als Dauerzustand glauben kann? Und in der süßen Verantwortungslosigkeit fürs eigene Leben? Die Frage stellte Ferdinand Bruckner 1926 in...

Äpfel und Birnen

Man könnte einfach den Artikel wechseln. Dann wäre es nicht mehr «Der Faust», sondern die Faust und würde geballte Kraft und Energie symbolisieren. Vorwärts in eine hoffnungsvolle Zukunft gehen als Veranstalter gemeinsam: der Deutsche Bühnenverein, die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste, die Kulturstiftung der Länder und das Land NRW.

Es sei «die uralte Idee...