Kinder des Burnouts
Ich habe so viel radikale Empathie», bricht es aus Andela heraus. Wäre es anders, wäre sie auch gar nicht ins neue Cloudworking-Team aufgenommen worden. Damit die Empathie auch wirklich radikal bleibt, lässt Chefin Claudia nicht nur sie, sondern auch Tenzin, Adrian, Jasmina und Jan immer wieder vorm grellen Schreibtischlampenlicht niederknien, damit sie anschließend mit aller Gewalt ihre Körper gegen die Wand brettern. Sie sollen lernen, wie Rehe sich fühlen, wenn sie vom Scheinwerfer geblendet von der Motorhaube erfasst und von der Straße gecrasht werden.
Ein absurdes Ritual, bei dem gelegentlich auch Blut fließt.
In dieser Firma wird geschuftet, um verwundete Rehe zu retten. Zumindest scheinbar. Denn eigentlich geht es darum, den Umsatz der Firma zu steigern. Die fünf jungen Leute sollen fürs zielgruppenorientierte digitale Marketing sorgen. Tage- und nächtelange klicken sie sich nun durchs Internet und hacken in rasendem Tempo Texte in ihre Laptops, um online Kunden für die Produkte, etwa T-Shirts, zu finden, im festen Glauben, etwas Gutes zu tun. Denn zehn Prozent des Umsatzes soll dem Tierschutz zugute kommen.
«The Clickworkers» ist die vierte Arbeit des Europa-Ensembles, ...
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Theater heute Mai 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 44
von Verena Großkreutz
Zum letzten Mal Theater vor dem Lockdown, vielleicht sogar die letzte Premiere der Spielzeit: Zwei Tage vor Christoph Marthalers abgesagter Dieter-Roth-Uraufführung «Das Weinen (Das Wähnen)» konnte Leonie Böhm, Hausregisseurin am Schauspielhaus, ihren Büchner-Abend noch herausbringen. Es grenzt an ein Wunder, viele Theater hatten schon geschlossen, und am...
Am Ende ist es eine runde Sache. Buchstäblich. Wieder und wieder zieht der wie Prometheus angekettete Faust mit langen Hörnern auf dem Kopf sisyphosgleich im Kreis durch die Metallarena mit zwei gigantischen Kreuzen – eins stehend, eins liegend. Auf dem hohen Kreuz thront ein blütenweißer Engel mit riesigen Flügeln, während auf dem anderen Mephisto in weißer Maske...
Zwei Tage war das Virus, das 14 Tage später das (Theater-)Leben zum Erliegen brachte, schon in Deutschland unterwegs, als am 29. Februar am Hamburger Thalia Theater Yael Ronens «(R)Evolution» zur Uraufführung kam. Der Abend, inspiriert von den Gedankenspielen zu den disruptiven Einschnitten am Ende des Anthropozäns von Ronens israelischem Landsmann Yuval Noah...
