Plastisches Denken

Mit einem Doppelprojekt aus «Faust» und «Antifaust» beendet Jo Fabian seine nur drei Jahre dauernde Arbeit als Schauspieldirektor in Cottbus

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Am Ende ist es eine runde Sache. Buchstäblich. Wieder und wieder zieht der wie Prometheus angekettete Faust mit langen Hörnern auf dem Kopf sisyphosgleich im Kreis durch die Metallarena mit zwei gigantischen Kreuzen – eins stehend, eins liegend. Auf dem hohen Kreuz thront ein blütenweißer Engel mit riesigen Flügeln, während auf dem anderen Mephisto in weißer Maske und schwarzem Engelskostüm Platz genommen hat.

Wie ein Raubvogel, der auf das Ensembletreiben unter sich blickt, begierig zuzuschlagen im Moment der Schwäche, um eines dieser Menschlein, die hier auf dieser Mad-Max-Arenabühne oder Arche, den Weg zum Seelenheil diskutieren. Er selbst spricht in einem dunklen Pathos, das an Rammstein erinnert, doch spricht er nur selten. Unter ihm ein Wimmelbild der menschlichen Existenzen: Da gibt es den rhetorischen Anführer mit dem silberbe­hängten Hirtenstab, eine Jesusfigur, die reihenweise Füße wäscht und später zum Maschinengewehr greift, einen weisen und zweifelnden Schriftgelehrten, eine wundertätige Frau, die nach 40-täger Fastenzeit nach Salz und Brot ruft. Sie wandeln umher in Kostümen, die an einen Sandalenfilm erinnern, ihre Worte ein Kreiseln um (christliche) Religion, ...

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Theater heute Mai 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 46
von Torben Ibs

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