Kein Licht am Horizont

Nis-Momme Stockmann «Das Gesicht des Bösen» (DE), Gerhild Steinbuch «In letzter Zeit Wut» (U) am Schauspiel Frankfurt

Theater heute - Logo

Mit dem Kapitalismus ist das so eine Sache, findet der Autor im senfgelben Anzug. Er ist überall, und trotzdem kann man ihn nicht sehen. Er hat allerlei Dreck am Stecken, und doch gibt es kein Außen mehr – und also keinen Ort, von dem aus Kritik möglich ist.

Wie also ein Theaterstück darüber schreiben? Nis-Momme Stockmann, der unmittelbar nach seinem Erstling «Der Mann, der die Welt aß» zum Nachwuchsdramatiker des Jahres 2010 gewählt wurde, jedoch stets auch mit dem Theater und mit seiner Autorenrolle haderte – Nis-Momme Stockmann also hat ein solches Stück geschrieben: «Das Gesicht des Bösen. Und das unerwartet freundliche Gesicht derer, die ihm zuarbeiten». Uraufgeführt wurde es im Frühjahr 2021 im dänischen Aarhus, seine deutschsprachige Erstaufführung nun von Lea Gockel im Schauspiel Frankfurt auf die Bühne gebracht. 

Darin also tritt sein Alter Ego vor den geschlossenen Vorhang der Kammerspiele, im Stück heißt es lapidar «Autor». Es erinnert sich an seine Jahre als «sehr junger, sehr linker» Autor, daran, wie es beim Anblick der Frankfurter Hochhausschluchten befand, es müsse ein Stück über Kapitalismus schreiben. Daran, wie schwierig es sei, dieses Ding zu fassen zu ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2022
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Esther Boldt

Weitere Beiträge
Starke Frauen

Stirbt ein Mensch, geht das Leben weiter. Stirbt die Menschheit, stirbt die Zeit. Das ist die tröstlich-traurige Bilanz eines Doppelprojekts der Regisseurin Laura Linnenbaum im Kleinen Haus des Düsseldorfer Schauspielhauses. Max Porters lyrisch-fantastische Erzählung «Trauer ist ein Ding mit Federn» und Marlen Haushofers Roman «Die Wand» auf der Bühne: erst ein...

Fische zeigen

Ein Kollege erinnert sich an die Zeit, als das Nordwind-Festival 2006 in Berlin gegründet worden war: Vegard Vinge habe bei dem Schaufenster nordischen Radikaltheaters erste Arbeiten südlich des Skagerraks gezeigt, außerdem habe eine in Deutschland bis dato unbekannte dänisch-österreichische Gruppe namens SIGNA auf sich aufmerksam gemacht. Mystisch entgrenzte...

Sprachlos beredt

Dass vor Beginn der Vorstellung die Stimme von Martin Kušej ertönt, ist derzeit normal. Aber während der Direktor üblicherweise an die Einhaltung der gerade geltenden Schutzmaßnahmen appelliert, hört sich seine Tonbandansprache diesmal etwas anders an. Das Kasino sei ein «shared space», aber kein «safe space», sagt Kušej, wer sich nicht sicher fühle, könne das...