Kassel: Blauer Dunst
So ein blaues Licht ist eine praktische Sache. Wenn man damit seine Pfeife anzündet, erscheint ein schwarzes Männchen und erledigt die gerade anliegenden Drecksarbeiten. Eine böse Hexe will den armen Soldaten im Brunnen verschimmeln lassen? Das schwarze Männchen greift ein, raubt ihr Gold und bringt sie an den Galgen. Der undankbare König will den kriegsuntauglichen Veteranen nicht mehr beschäftigen? Das schwarze Männchen raubt die Königstocher und macht sie zur Dienstmagd.
Der König will als Rache den Soldaten hinrichten lassen? Das schwarze Männchen verprügelt ihn und seine Richter, bis er abdankt und den Soldaten zu seinem Nachfolger macht.
In Rebekka Kricheldorfs Märchen-Aktualisierung gibt es verständlicherweise kein schwarzes Männchen mehr, und das Gewaltmonopol sitzt gut internalisiert im Kopf des traumatisierten Ex-Kriegers. So mordet, rächt und vergewaltigt sich der arme Mann zwar durch alle Stationen der Grimmschen Vorlage, hat aber keine Chance auf Erfolg und Reichtum. Er rackert bei einer ausbeuterischen alten Lustgreisin, kidnappt und missbraucht eine junge Frau und muss sich schließlich von einem zynischen Gefängnisseelsorger verhöhnen lassen, bevor er auf dem ...
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Theater heute April 2017
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Franz Wille
Die Heilige Schrift in vier Stunden: «Die Bibel», eingedampft für die Bühne von Niklas Rådström (übersetzt vom Intendanten Steffen Mensching), inszeniert von Alejandro Quintana, ist eine Revue der Schöpfung und der Wunder, des Glaubens und des Zweifelns, eine verwirrende Szenenfolge von Karl Krausscher Wucht, nur dass es sich hier eben um die ersten Tage der...
Er musste tatsächlich damit gerechnet haben. Sehr lässig schlenderte Georg Friedrich auf die Bühne zur Preisverleihung, auf dem Kopf die Schiebermütze, im Ohrläppchen den Knopf, um den Hals die Krawatte, baute sich hinter dem Sprechpult auf und pulte sich das Kaugummi aus den Zähnen, um es sorgfältig auf der Tatze des Silbernen Bären festzukleben, den er gerade als...
Was bewegt Zuschauer, die sich für Aufführungen wie «Sieben gegen Theben/Antigone» in Frankfurts Bockenheimer Depot, inszeniert von Ulrich Rasche, begeistern? Nach sorgfältiger Recherche im Publikum und ernsthafter Gewissensprüfung des Autors ist die Antwort folgende: Es ist zunächst die offensichtliche formale Geschlossenheit und Strenge der...
