Kassel: Blauer Dunst
So ein blaues Licht ist eine praktische Sache. Wenn man damit seine Pfeife anzündet, erscheint ein schwarzes Männchen und erledigt die gerade anliegenden Drecksarbeiten. Eine böse Hexe will den armen Soldaten im Brunnen verschimmeln lassen? Das schwarze Männchen greift ein, raubt ihr Gold und bringt sie an den Galgen. Der undankbare König will den kriegsuntauglichen Veteranen nicht mehr beschäftigen? Das schwarze Männchen raubt die Königstocher und macht sie zur Dienstmagd.
Der König will als Rache den Soldaten hinrichten lassen? Das schwarze Männchen verprügelt ihn und seine Richter, bis er abdankt und den Soldaten zu seinem Nachfolger macht.
In Rebekka Kricheldorfs Märchen-Aktualisierung gibt es verständlicherweise kein schwarzes Männchen mehr, und das Gewaltmonopol sitzt gut internalisiert im Kopf des traumatisierten Ex-Kriegers. So mordet, rächt und vergewaltigt sich der arme Mann zwar durch alle Stationen der Grimmschen Vorlage, hat aber keine Chance auf Erfolg und Reichtum. Er rackert bei einer ausbeuterischen alten Lustgreisin, kidnappt und missbraucht eine junge Frau und muss sich schließlich von einem zynischen Gefängnisseelsorger verhöhnen lassen, bevor er auf dem ...
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Theater heute April 2017
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Franz Wille
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Hans Fallada wusste, was er tat, als er 1934 seinen Roman «Wer einmal aus dem Blechnapf frisst» schrieb: Sechs Jahre vorher war er selbst aus dem Gefängnis entlassen worden, nach zweieinhalb Jahren Haft wegen Betrug und Unterschlagung. Sein Alter Ego Willi Kufalt lässt er fünf Jahre einsitzen und (anders als Fallada selbst, der zum Bestseller-Autor wurde, bevor er...
Kurz bevor in Frankreich der König von Gottes Gnaden gestürzt, die Menschenrechte erklärt, der contrat social geschlossen und die Nation unter dem Banner der Vernunft optimistisch einer fortschrittlichen Zukunft entgegenstrebte, inszenierte ein gutaussehender junger Soldat aus altprovençalischem Adel, der Marquis Donatien Alphonse François de Sade, einige Aufsehen...
