Kanon oder Kanone?
Ums Schuheausziehen wird man üblicherweise in den Wohnungen ostdeutscher und muslimischer Mitbürger*innen gebeten. Auch im Ballhof des Jungen Schauspiels Hannover ergeht die freundliche Aufforderung an das Publikum, paarweise die eigenen Schuhe nach vorne zu reichen. Dabei ist die Bühne für Oliver Frljics «Nathan» von Anfang an mit einer dicken Schicht gebrauchter Schuhe gefüllt; die Schuhspenden der Zuschauer*innen werden davor in Reih und Glied gestellt.
Erstaunlicherweise startet auch die Bremer Premiere von «Nathan der Weise» mit der Bitte um jeweils einen Zuschauerschuh: Man möge ihn in den trichterförmigen Kragen aus transparentem Kunststoff werfen, den Hauke Heumann trägt – auch auf die Gefahr hin, den Performer dabei am ungeschützten Kopf zu verletzen.
Diese durch keine noch so kleine Textpassage gedeckte Assoziation ist allerdings so ziemlich die einzige Parallele, die sich in den «Nathan»-Inszenierungen in Hannover und Bremen ausmachen lässt. Wobei: Es gibt noch eine weitere. Weder Oliver Frljic noch die ehemaligen Bremer Artists in Residence Monika Gintersdorfer und Knut Klaßen lassen ihre Ensembles wirklich Lessings Versdrama – immerhin Abiturstoff in beiden ...
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Theater heute Oktober 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Eva Behrendt
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