Jetzt aber schnell die Teletubbies!

Junge Dramatik aus Südosteuropa: Das Festival New Stages South East am Schauspiel Oberhausen mit schrägen, politischen, apokalyptischen Entdeckungen

Theater heute - Logo

Lana del Rey erschießt einen Polizisten; im Keller philosophiert ein Gurkenglas; das überhitzte Anthropozän endet, weil sich die Menschen in Stühle, Blumen oder Goldfische verwandeln; und zum vermutlich ersten Mal in der Theatergeschichte wird beim Festival «News Stages South East» eine Liebeserklärung in Binärcode vorgetragen. Diese beginnt mit «01001001», dauert mehrere Minuten und stammt aus dem komplex konstruierten «Hypertext-Drama» «_Sun_scorching» der kroatischen Autorin Hristina Mitic.

Die Flut aus Nullen und Einsen ist irritierend, irgendwie auch unverschämt.

Dennoch entwickelt sie, stoisch im Kanon gesprochen von einem bis dahin eher maliziös wirkenden Jungmännerchor, eine unerwartet meditative Wirkung. Der Kopf, übervoll von Eindrücken nach drei Tagen Programm und elf neuen Stücken, wird einmal digital-analog durchgespült.

Angestiftet hat die Text- und Gedankenflut an diesem regensonnigen Aprilwochenende das Goethe-Institut, nach Deutschland bringt sie das Theater Oberhausen unter der Leitung von Kathrin Mädler. Das Festival ist das Finale einer aufwändigen, auf zwei Jahre angelegten multinationalen Textwerkstatt. Ihr Ziel: die Förderung neuer Dramatik aus Südosteuropa, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2023
Rubrik: Festivals, Seite 33
von Cornelia Fiedler

Weitere Beiträge
Fluchtbewegungen

«Stell dir vor». Mit diesen Worten beginnt das Stück «die gegangen sind» von Anaïs Clerc und Yazan Melhem. «Stell dir vor, eine Erinnerung», «Stell dir vor, Jahre später», «Stell dir vor, du lebst am Strand in einem Zelt im Dezember». Wie ein Mantra ziehen sich diese Worte durch den Text und bewirken nebenbei zweierlei: Zum einen nähren sie via Vorstellungskraft...

Die Mitbürger

ich halte es für die pflicht eines rechtschaffenen bürgers, das heil des staates dem beifall der zuhörer vorzuziehen.
Demosthenes

wenn nicht mit rap – dann mit der pumpgun.
K.I.Z.

bürger potsdams, wacht auf! wir gehen einen guten weg.
Martin Kwaschik, 4. November 1989 Luisenplatz / Platz der Nationen

natürlich hab ich keine hoffnung. ich bin ja nicht bescheuert.
...

Das Recht des Schwächeren

Verhörraum oder Orakel? – An beides denkt man bei der seltsamen achteckigen Zelle, die Theresa Scheitzenhammer für Ayse Güvendirens jüngste Regiearbeit in den Werkraum gestellt hat, mit einem Boden aus Luftschachtgitter und vier Wandteilen, die auch als Projektionsfläche dienen, darüber ein Fries mit rot leuchtender Handschrift, die mal «sagen sie» und mal «sag...