Jesus als Künstlerdrama
Im Anfang war das Wort. Und das Bild. Und sonst auch noch vieles. In Stuttgarter Schauspielhaus hat Kay Voges, hauptberuflich Intendant des Dortmunder Schauspiels, zur Messe geladen. Mit Weihrauchduft lotst er die Besucher in die heiligen Hallen des Theaters, an dessen Decke und Seitenwänden im Zuschauerraum viele kleine rote Lämpchen leuchten. Schummrige Stimmung, die ein bisschen mehr Fegefeuer als Himmel suggeriert. Immerhin sorgt Bachs «Matthäus-Passion» für eine gewisse Erhabenheit.
Wie überhaupt die Musik an diesem Abend Halt – vor allem Zusammenhalt – bieten wird.
Zwischen Klassik, Pop, Musical und Heavy Metal ist sie der Kleber, der einen Reigen disparater Brennelemente fusioniert, die Voges in einem Dauerfeuer abfackelt. «Das 1. Evangelium» überschreibt der Regisseur sein Werk, «frei nach Matthäus». Mittelpunkt der Inszenierung ist die Drehbühne, die ihm Michael Sieberock-Serafimowitsch eindrucksvoll mit verschiedenen Räumen und Projektionsflächen gefüllt hat. In stetiger Dauerschleife rotieren Wohnwagen, Kneipen-Theke, Krankenzimmer, Black Box und andere Stellflächen, an denen sich Schauspieler präsentieren. Denn Voges’ «Evangelium» ist kein Versuch, Religionsgeschichte ...
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Theater heute März 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Kristin Becker
black snow falls
aus den notizen einer anonymen klimaforscherin
(spätes zwanzigstes jahrhundert)
zur besetzung freigegeben sind
ein singender Kondukteur
zwei chinesische Wanderarbeiter
eine handvoll Passagiere
Marianne Sonja Doris Fred Martin
und ein
ausgebrannter Chor im ewigen ice der
Spätmoderne
den man
so die empfehlung des verfassers
durchweg als kinderchor
besetzen...
Seit Jahr und Tag stellt der Regisseur Sebastian Hartmann seinen Theaterabenden einen Ausspruch von Edgar Allan Poe voran: «All that we see or seem / Is but a dream within a dream.» Es ist ein anti-realistisches Motto und ein Signal, dass sich seine Theaterexpeditionen nicht aus handfester Alltagswirklichkeit herleiten, sondern aus dem Spiel der Subjektivität, aus...
Es ist schon sehr viel schwarzes Blut geflossen im April 1945, als ungefähr zur Mitte seines Kriegsende-Films «Der Hauptmann» der Regisseur Robert Schwentke einen «Bunten Abend» stattfinden lässt. Vor grölenden Soldaten, die gerade erst 30 Gefangene – vor allem deutsche Fahnenflüchtige und Plünderer – im Emslandlager 2 erschossen haben, liefern sich Samuel Finzi...
