Intime Verausgabung

Thomas Melle «Die Welt im Rücken» am Schauspiel Stuttgart

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Expressiv, dieses Bild: Melle als Messias schwebt, ja fliegt und schwimmt, von Superkraft gepowert durch einen pinken Endlos-Umhang, gen Himmel. Immer weiter, immer höher. Doch dann: der Absturz. Seine sechs Klone zerren am langen Umhang und zwingen ihn brutal auf die Erde zurück. Zurück in die Dunkelheit, in die lähmende Depression: Höhepunkt der Inszenierung von Lucia Bihler, die Thomas Melles autobiografischen Roman «Die Welt im Rücken» auf die Büh -ne des Stuttgarter Schauspiels gebracht hat.

Melles großartiger Roman lässt uns in die Abgründe seiner bipolaren Erkrankung blicken, in ein zermürbendes Leben, in dem sich manische, depressive und suizidale Phasen mit Aufenthalten in psychiatrischen Kliniken abwechseln und das geprägt ist von Kontrollverlust und Gefühlsextremen zwischen unfassbarer Euphorie und völliger Leere. Die Phasen der Manie sind – im Gegensatz zu jenen der lähmenden, nie -derschmetternden Depression – ja die guten, so berichten viele manisch-depressive Menschen. Von Hemmschwellen befreit, bedeutet die Manie eben auch Freiheit. Warum dann nicht irgendwann die Medikamente absetzen, die einen mitsamt furchtbarer Nebenwirkungen in unerträglich öde Zustände ...

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Theater heute November 2025
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Verena Großkreutz

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