Kraut und Rüben
Wenn Du noch Augen hättest / Könntest Du durch meine Hände scheinen sehn / Die roten Fahnen über Rhein und Ruhr», heißt es gegen Ende von Heiner Müllers «Germania Tod in Berlin». Aber natürlich schien, schon als die Worte ausgesprochen wurden, nichts mehr so wirklich, auch nicht am Horizont, und gute zwanzig Jahre später war Schluss mit der Utopie. Die roten Fahnen verblassten.
Es ist eine Art späte poetische Gerechtigkeit, wenn die gebürtige Ost-Berlinerin Laura Laabs in ihrem Langfilmdebüt schon gleich zu Anfang die roten Fahnen wehen lässt.
Über dem bundesdeutschen Reichstag. Eine Künstlergruppe namens «Ästhetische Linke» hisst sie dort. Aber weil der Akt vom Staatsschutz als Terrorismus gedeutet wird, muss die Gruppe schleunigst Reißaus nehmen. Und eines der Mitglieder, Tine (Hannah Ehrlichmann), taucht in der Heimat unter: im mecklenburgischen Dorf Bad Kleinen. In Bad Kleinen sind alle Eingeborenen down. Man säuft, misst seine Kräfte im Tauziehen mit Treckern, Tines Vater schimpft über die Windrä -der, die die Gegend verschandeln und natürlich von Westfirmen gebaut wurden, und der bulligste der Junggesellen des Ortes trägt ein Hakenkreuz-Tattoo auf der Brust. «Unsere ...
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Theater heute November 2025
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Christian Rakow
Ein bisschen kalt ist es an diesem Sommerabend auf der Freifläche hinter dem Kulturhaus Arthur in Chemnitz. Doch auch die Regenwarnung kann das Publikum nicht abhalten. Unter freiem Himmel nimmt es in den Reihen voller bunt bemalter Holzstühle Platz und schaut dabei direkt auf den Garagenkomplex, der hier schon seit Jahrzehnten stehen dürfte und mit riesigen...
Wenn man in den Spielplancomputer die Begriffe «Volkstheater», «Wien», «Nestroy», «Politisches Theater» und «20. Jahrhundert» eingibt, kommt dabei Jura Soyfer (1912–1939) raus. Der linke Wiener Autor, Sohn russischer Juden, schrieb im austrofaschistischen Ständestaat der 1930er Jahre Szenen und Stücke für Kabarettbühnen. Um die Zensur auszutricksen, packte Soyfer...
Theater heute Marina Davydova, wann mussten Sie Russland verlassen?
Marina Davydova Ich habe am 24. Februar 2022 eine Petition gegen den am Vortag begonnenen Krieg gegen die Ukraine unterschrieben, die auch von Hunderten anderer russischer Theaterleute gezeichnet war – das war mein Problem. Am 1. März wurde meine Wohnungstür mit einem «Z» markiert, das Zeichen,...
