Ins Netz gegangen
Auf einmal steht da nach der Pause ein Berg. Ein Berg aus Stühlen, auf den Marin Blülle behände weitere Stühle wirft, die dank Theatertricktechnik alle hängen bleiben. Blülle hat schon im ersten Teil dieses «Mephisto» am Dresdner Staatsschauspiel den kleinen Nazi Hans Miklas gegeben, dem die einen mit Härte und die anderen mit Verständnis beikommen wollen. Doch jetzt sind die Nazis am Ziel, und dieser Berg erinnert nicht von ungefähr an die Haufen der Bücherverbrennungen.
Es wird dunkel in Deutschland, doch für den zuvor zaudernden und sich ständig missachtet fühlenden Hendrik Höfgen bricht nun eine große Zeit an.
Nadja Stübiger spielt diesen Höfgen nonchalant, zögernd und wägend mit einer ganz selt -samen unsicheren Eitelkeit. Rampennah zwar, aber doch nie aus der Deckung kommend, immer eine Hintertür offen lassend und gleichzeitig ein geschickter Schmeichler, der seine Chancen zu nutzen weiß. Vor allem die Gier stellt Stübiger heraus: nach Ansehen, nach Ruhm. Das Politische ist allenfalls nützlich, weil es Klarheit schafft, wer wo steht – Höfgen vor allem daneben, auch wenn er das Zentrum sucht. So entzieht sie die Figur dem festen Urteil, betont das Unsichere, während um sie ...
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Theater heute November 2025
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Torben Ibs
Sonja Anders steht auf dem Hamburger Gerhart-Hauptmann- Platz und erinnert sich. An glückliche Momente, wie sie als Kind auf dem heute eher trostlosen Platz zwischen Thalia Theater und Einkaufszone spielte, wie sie über die Pflasterwellen tobte, die den öffentlichen Raum strukturieren sollen. Und die neue Thalia-Intendantin erinnert sich an die Zeit als...
Kay Voges’ Intendanz in Köln beginnt mit – Schweigen. Seine erste Kölner Inszenierung «Imagine» ist ein wortloses Wimmelbild, eine sprachlose Überfülle von Bildern. Der Dialog ist auf dem Rückzug: Die erste Premiere noch vor Spielzeitbeginn war ein Monolog «Geheimplan gegen Deutschland – ein Nachspiel» von Andreas Beck. Auf «Imagine» folgten Claude De Demos...
Es schleicht umher, es lauert in den Ecken, es lässt sich nicht aufhalten: das Störgefühl, dass sich etwas anbahnt – ein ungebetener Gast, der durch die Tür spaziert, bevor man ihn überhaupt hineingebeten hat. Das Residenztheater eröffnet die Saison mit zwei Stücken, die sich vor der Kulisse historischer Kipppunkte abspielen: Ödön von Horváths «Kasimir und...
