Die Anatomie der Komik
Der Einstieg in Ariel Efraim Ashbels neue Produktion «My Kingdom for a Joke» ist sehr komisch. Wobei die Komik darin liegt, dass alle den Witz, sein Script schon kennen: Mit Grandezza schreitet die Performerin Tatiana Saphir durch die Tür, nimmt die Stufen zur Bühne, schnappt sich dort eine mit Tape befestigte Banane, schält und isst sie stoisch. Dabei blickt sie wissend ins Publikum. (Alle lachen.) Dann wirft sie die Schale auf den Boden, atmet noch einmal tief durch und konzentriert sich auf ihre Schritte: Fallbewegung, Black.
– Perfektes Timing, großer Slapstick auf der Meta-Ebene. Die Anatomie der Komik.
«Was würden wir nicht alles für einen guten Witz geben?», fragt der Programmtext. «Unsere Kleidung, unsere Würde, das letzte bisschen Fördergeld, unser Königreich!» Im Titel knüpft die Inszenierung an die poetische Verzweiflung an, die Shakespeare seinem Anti-Helden Richard III. als letzte Worte in den Mund gelegt hat. Der israelische Regisseur, der sich in seinen Projekten kritisch mit jüdischen Traditionen auseinandersetzt, will ausgerechnet in Kriegs- und Kürzungszeiten das Lachen zurück ins Theater bringen. Die Aussicht, dieser «trostlosen Zeit» mit Comedy, Clownerie und ...
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Theater heute November 2025
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Anja Quickert
Schon länger liegen die Schokoladenweihnachtsmänner und Lebkuchenherzen in den Discountern aus, um die dunkle Jahreszeit zu versüßen und den Advent anzukündigen. Während Regen, Wolken und Kälte unsereinem das Gemüt zu verhängen drohen, sind es, wie jedes Jahr, ca. zweihundert Schauspielabsolvierende aller staatlich geförderten Ausbildungsinstitute aus Deutschland,...
Es schleicht umher, es lauert in den Ecken, es lässt sich nicht aufhalten: das Störgefühl, dass sich etwas anbahnt – ein ungebetener Gast, der durch die Tür spaziert, bevor man ihn überhaupt hineingebeten hat. Das Residenztheater eröffnet die Saison mit zwei Stücken, die sich vor der Kulisse historischer Kipppunkte abspielen: Ödön von Horváths «Kasimir und...
Wenn Du noch Augen hättest / Könntest Du durch meine Hände scheinen sehn / Die roten Fahnen über Rhein und Ruhr», heißt es gegen Ende von Heiner Müllers «Germania Tod in Berlin». Aber natürlich schien, schon als die Worte ausgesprochen wurden, nichts mehr so wirklich, auch nicht am Horizont, und gute zwanzig Jahre später war Schluss mit der Utopie. Die roten Fahnen...
