Die Anatomie der Komik
Der Einstieg in Ariel Efraim Ashbels neue Produktion «My Kingdom for a Joke» ist sehr komisch. Wobei die Komik darin liegt, dass alle den Witz, sein Script schon kennen: Mit Grandezza schreitet die Performerin Tatiana Saphir durch die Tür, nimmt die Stufen zur Bühne, schnappt sich dort eine mit Tape befestigte Banane, schält und isst sie stoisch. Dabei blickt sie wissend ins Publikum. (Alle lachen.) Dann wirft sie die Schale auf den Boden, atmet noch einmal tief durch und konzentriert sich auf ihre Schritte: Fallbewegung, Black.
– Perfektes Timing, großer Slapstick auf der Meta-Ebene. Die Anatomie der Komik.
«Was würden wir nicht alles für einen guten Witz geben?», fragt der Programmtext. «Unsere Kleidung, unsere Würde, das letzte bisschen Fördergeld, unser Königreich!» Im Titel knüpft die Inszenierung an die poetische Verzweiflung an, die Shakespeare seinem Anti-Helden Richard III. als letzte Worte in den Mund gelegt hat. Der israelische Regisseur, der sich in seinen Projekten kritisch mit jüdischen Traditionen auseinandersetzt, will ausgerechnet in Kriegs- und Kürzungszeiten das Lachen zurück ins Theater bringen. Die Aussicht, dieser «trostlosen Zeit» mit Comedy, Clownerie und ...
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Theater heute November 2025
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Anja Quickert
«Mit Toves Texten zu arbeiten, heißt für mich auch immer mit sich selbst zu arbeiten», so formuliert es die Regisseurin Anja Behrens. Und mit «Tove» meint sie Tove Ditlevesen (1917–1976), jene dänische Schriftstellerin, die in der «Kopenhagen-Trilogie» von ihrem Leben und Arbeiten erzählt: vom Aufwachsen in einem Arbeiterviertel, vom zähen Kampf für ihren Traum,...
Auf einmal steht da nach der Pause ein Berg. Ein Berg aus Stühlen, auf den Marin Blülle behände weitere Stühle wirft, die dank Theatertricktechnik alle hängen bleiben. Blülle hat schon im ersten Teil dieses «Mephisto» am Dresdner Staatsschauspiel den kleinen Nazi Hans Miklas gegeben, dem die einen mit Härte und die anderen mit Verständnis beikommen wollen. Doch...
Man nehme: einen Schauspielstar (Lars Eidinger). Einen internationalen Star-Choreografen (Serge Coulibaly). Internationale Evergreen-Superstar-Musik (Frank Sinatra und Nina Simone). Und fertig ist der Publikumsknaller! Mag sich Ivo van Hove zur Planung der zweiten Spielzeit seiner Ruhrtriennalen-Intendanz gedacht haben. Doch leider ist das Rezept, welches dem...
