Ingolstadt: Plädoyer für Hellhörigkeit
Einen ernüchternden Blick auf das Frauenbild des Islam wagte das Ingolstädter Theater gerade mit «In meinem Alter rauche ich immer noch heimlich» der algerischen Autorin Rayhana, jetzt wurde das Auftragswerk «djihad» von Volker Schmidt uraufgeführt. «Fragmente» nennt der Autor und Regisseur seine lockere Szenenfolge, die sich zu einem Ganzen formt, um freilich am Ende auch nicht wirklich beantworten zu können, was einen jungen Menschen in die Arme und Armeen radikaler islamistischer Gruppierungen treibt.
Das Stück, hervorgegangen aus Gesprächen mit zahlreichen Betroffenen, lebt von der spannenden Konfrontation der Kulturen: Junge Menschen aus Deutschland, Syrien, der Türkei treffen mit ihren unterschiedlichen Auffassungen, ihrer religiösen Erziehung und ihrem Drang, in eine Freiheit – wo immer die liegen mag – aufzubrechen und anerzogenen Ballast loszuwerden, aufeinander. Die Arroganz des Westens, der damit lockt, alles im Hier und Jetzt erreichen zu können, konkurriert mit den Geheimnissen eines Glaubens, dessen Attraktivität auf Versprechungen fußt, deren Einlösung ins Jenseits verschoben wird. Volker Schmidt erzählt von zwischenmenschlichen Problemen, die die unscheinbare ...
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Theater heute April 2017
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Bernd Noack
Was für eine nette kleine Familie. Anton und Karin haben eine liebe Tochter und sind sehr um sie besorgt. Außerdem teilen sie klare Vorstellungen, was die Erziehung betrifft. Die Zeiten der übertrieben antiautoritären Erziehung seien inzwischen vorbei, Kinder bräuchten feste Regeln. Man ist schließlich liberal und will den Nachwuchs aufs Leben vorbereiten. Man...
Geister gibt es in allen Kulturen, Stimmen aus dem Totenreich, Kobolde, Dämonen, bösartige oder verführerische Agenten des Jenseits. Meist haben sie spezielle Anliegen, wollen sich rächen oder entschuldigen, erkannt und erlöst werden, sind mitunter nur für Auserwählte sichtbar – und dabei auch stets so etwas wie ein Spiegel der Lebenden, die von ihnen heimgesucht...
Die Zukunft findet nicht statt. Jedenfalls nicht im Dresdner Elbtal. Zu dieser interessanten
Diagnose kommen gleich zwei Uraufführungen des dortigen Staatsschauspiels. Glaubt man, zunächst, Konstantin Küsperts Prognose vom «ende der menschheit», die Anton Kurt Krause dort im Kleinen Haus (mit einem vergleichsweise munteren Schauspielertrio) urinszeniert hat, wird...
