Ingolstadt: Plädoyer für Hellhörigkeit

Volker Schmidt «djihad» (U)

Theater heute - Logo

Einen ernüchternden Blick auf das Frauenbild des Islam wagte das Ingolstädter Theater gerade mit «In meinem Alter rauche ich immer noch heimlich» der algerischen Autorin Rayhana, jetzt wurde das Auftragswerk «djihad» von Volker Schmidt uraufgeführt. «Fragmente» nennt der Autor und Regisseur seine lockere Szenenfolge, die sich zu einem Ganzen formt, um freilich am Ende auch nicht wirklich beantworten zu können, was einen jungen Menschen in die Arme und Armeen radikaler islamistischer Gruppierungen treibt.


Das Stück, hervorgegangen aus Gesprächen mit zahlreichen Betroffenen, lebt von der spannenden Konfrontation der Kulturen: Junge Menschen aus Deutschland, Syrien, der Türkei treffen mit ihren unterschiedlichen Auffassungen, ihrer religiösen Erziehung und ihrem Drang, in eine Freiheit – wo immer die liegen mag – aufzubrechen und anerzogenen Ballast loszuwerden, aufeinander. Die Arroganz des Westens, der damit lockt, alles im Hier und Jetzt erreichen zu können, konkurriert mit den Geheimnissen eines Glaubens, dessen Attraktivität auf Versprechungen fußt, deren Einlösung ins Jenseits verschoben wird. Volker Schmidt erzählt von zwischenmenschlichen Problemen, die die unscheinbare ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2017
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Bernd Noack

Weitere Beiträge
Endstation Geisterbahnhof

Geister gibt es in allen Kulturen, Stimmen aus dem Totenreich, Kobolde, Dämonen, bösartige oder verführerische Agenten des Jenseits. Meist haben sie spezielle Anliegen, wollen sich rächen oder entschuldigen, erkannt und erlöst werden, sind mitunter nur für Auserwählte sichtbar – und dabei auch stets so etwas wie ein Spiegel der Lebenden, die von ihnen heimgesucht...

Kütt et, wie et kütt?

Wilfried Schulz macht in der ersten Spielzeit seiner Düsseldorfer Intendanz deutlich, dass er die Diaspora-Situation des auf Ausweichspielstätten vertriebenen Schauspiels, die sich nun wohl über Jahre (mindestens bis 2020) hinziehen wird, nutzen will zur offensiven Verankerung in der Stadt. Alles will er – alle Stile, alle Publikumsschichten, alle Richtungen, alle...

Mannheim: Parade der Kulturen

Ist Multikulturalismus lediglich eine Ideologie, wie die AfD im letzten Sommer behauptete? Eine ungefüllt herumgeisternde Idee, ein Bündel aus Theorien und Normen, das die Realität zu formen sucht – und nicht umgekehrt? An diesem Tag im Mannheimer Ratssaal sieht es anders aus. Da zeichnen zig Menschen aus Guatemala, Afghanistan, Finnland, Eritrea, Indonesien,...