Dresden: Tal der Zukunftslosen

Konstantin Küspert «das ende der menschheit» (U), Thomas Freyer «kein land. August» (U)

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Die Zukunft findet nicht statt. Jedenfalls nicht im Dresdner Elbtal. Zu dieser interessanten
Diagnose kommen gleich zwei Uraufführungen des dortigen Staatsschauspiels. Glaubt man, zunächst, Konstantin Küsperts Prognose vom «ende der menschheit», die Anton Kurt Krause dort im Kleinen Haus (mit einem vergleichsweise munteren Schauspielertrio) urinszeniert hat, wird schon bald der letzte Artgenosse den Laptop zuklappen.

Niedergangsverantwortlich zeichnet ein nerdiger Wissenschaftler (Holger Hübner), der in Sibylle Wallums Bühnen- und Kostümbild mit strähnig-schütterer Langhaarpe­rücke in einem gläsernen Gewächshäuschen vor illustrer Video-Naturkulisse hockt, bestens mit den realkapitalistischen Zusammenhängen zwischen erotischem, ökonomischem und symbolischem Kapital vertraut ist und deshalb in
einem Akt grenzenloser Philanthropie ein geschlechtsneutralisierendes Virus unter die Erdbevölkerung bringt.

Dass die Befreiung vom Reproduktionsim­perativ ein paar lästige gesellschaftsimmanente Folgezwänge gleich miterledigt und insofern durchaus (auch) utopische Züge tragen könnte, dämmert freilich nur den Progressivsten unter den Untergangsgeweihten. Und leider wird jene Enklave der ...

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Theater heute April 2017
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Christine Wahl

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